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 Prüm - Stadt des Rheinland-Pfalz-Tages 2011 vom 27.- 29. Mai 2011

Brauchtum von Januar bis März

 

"Lang lewen, jelecklich sterwen"

Silvester und Neujahr - Glücksbringer waren schon immer gefragt
Heute ist es wieder soweit: In der Eifel wie in vielen Regionen im deutschsprachigen Raum lässt man es wieder krachen und zischen. Das Doppelfest Silvester/Neujahr wird seit jeher als Brauchtumseinheit begangen. Die Nacht zwischen beiden Tagen ist praktisch eine "Feiernacht" - allerdings mit unterschiedlichen Brauchhandlungen und Sitten.
Eine ganze Reihe Deutungen und Glücksbringer beeinflussen die Feiern zum Jahreswechsel bis heute. Diese Bräuche gehörten schon seit ewigen Zeiten zum magischen Denken und Handeln der traditionellen Gesellschaften. Dabei dreht sich alles um die Verabschiedung des alten Jahres und die Begrüßung des neuen.
Hintergrund des ausgelassenen, manchmal ausschweifenden Feierns ist die Hoffnung auf Fruchtbarkeit und Wohlstand im neuen Jahr. Weit verbreitet war früher - auch in der Eifel - das "Bleigießen" kurz nach Mitternacht. In einem eigens dafür vorgesehenen Löffel wird ein Stück Blei über einer Kerzenflamme erhitzt, geschmolzen und dann rasch in ein Gefäß mit kaltem Wasser geworfen. Aus dem Schatten der daraus entstandenen Figuren glaubte man die Zukunft deuten zu können.

Zum Jahreswechsel haben Glücksbringer Hochkonjunktur
Beliebt sind die "Glückspfennige", die gemäß der alten Volksweisheit "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert", ihre glücksbringende Bedeutung bis heute erhalten konnten. Des Hufeisens Bedeutung dagegen ist es, als Talisman Haus und Hof zu schützen und Fremden den Eingang zu verwehren. In früheren Zeiten wurde es auch an Schiffsmasten genagelt - selbst Admiral Nelson sorgte dafür, dass die "Victory" nicht ohne diesen Glücksbringer in See stach. Schornsteinfeger oder Kaminkehrer gelten als Glücksbringer, weil sie immer als erste am Neujahrsmorgen durch die Straßen gingen und zum neuen Jahr gratulierten.

Wo kommt der Name Silvester her?
Der 31. Dezember ist seit dem Gregorianischen Kalender der letzte Tag des Jahres. Dieser Tag ist dem heiligen Silvester geweiht. Silvester war von 314-335 Papst –unter seinem Pontifikat wurde die Einführung des Christentums als Staatsreligion unter Kaiser Konstantin vollzogen. Papst Silvester I. verstarb am 31. Dezember 335 in Rom.
Wie mit allen Festtagen, so verbinden sich auch mit Silvester Bräuche, Sitten und allerlei Aberglaube. In der Nacht zum Jahreswechsel geht es schon seit Urzeiten um die Abwehr von bösen Geistern. Geknalle, lärmende Umzüge mit vermummten Gestalten, bei denen Trommeln, Schellen und Peitschenknallen für den nötigen Krach sorgten, sollten alle Dämonen fernhalten.

Anderer Gruß am Neujahrstag

Auch mit Neujahr sind die unterschiedlichsten Facetten des Aberglaubens verbunden. Frei nach dem Motto "Wie das Neujahr beginnt, so ist das ganze Jahr" wurde und wird auch heutzutage noch nach bestimmten Regeln verfahren.
So bemüht sich zum Beispiel die Hausfrau seit jeher, über Neujahr ja keine Wäsche zum Trocknen hängen zu lassen, da dies Unglück und Arbeit im kommenden Jahr mit sich bringe.
In den vielen ländlichen Bereichen der Eifel war das "Räuchern", das Begehen der Wohn- und Arbeitsräume sowie der Stallungen mit gesegnetem Weihrauch üblich, um die Dämonen zu vertreiben. Viele Essens- und Trinkbräuche, die man zum Jahreswechsel pflegt, haben ebenfalls einen abergläubischen Hintergrund.
Am Neujahrstag fiel in der Eifel der übliche Tageszeitengruß aus und wurde ersetzt durch "E jelecklich neij Joahr" oder "Vill jeleck am neijen Joahr". Bis heute hat sich der Gruß "Prost Neijoahr" erhalten. Im familiären Kreis wurde ihm oftmals hinzugefügt "un mir e Neijährchen". Dieser Wunsch brachte zum Ausdruck, dass man sich ein kleines (Geld-) geschenk erhoffte, das zumeist auch gewährt wurde. In der Westeifel erhielten die Kinder von ihren Paten stets am Neujahrstag Geld, nie zu Weihnachten. "Nebst einem Taler bekamen die Kinder früher ein Gebildbrot in Form eines Wickelkindes oder eines geflochtenen Kranzkuchens", wusste noch vor 30 Jahren der 80jährige Adam Peters zu erzählen.In einigen Dörfern gingen Kinder auch von Haus zu Haus "heischen". "Hier wohnt ein reicher Mann" - dieses wohl bekannte Liedchen hört man heute noch am "Fetten Donnerstag".

Eifeler Segenswunsch

"Ech wenschen e jelecklich neij Joahr, lang ze lewen, jelecklich ze sterwen un dn Himmel ze erwen".

Wallfahrtstradition lebt in Prüm fort

Prüm hatte als Wallfahrtsort in der Eifel immer einen hohen Stellungwert. Zugpassagiere, Busteilnehmer und Fußwallfahrer nutzten gerne die Gelegenheit, die Abteistadt und die Basilika aufzusuchen. Besonders die Verehrung der Drei Heiligen Ärzte (19. Januar) und der Heiligen Brigitte (1. Februar) standen für die Landbevölkerung im Mittelpunkt der Verehrung.

"Heilige Drei Ärzte" ist die volkstümliche Bezeichnung für die von der katholischen und der orthodoxen Kirche als heilige Märtyrer verehrten Marius, Abakuk und Audifax.
Marius kam nach der Märtyrerlegende aus dem 5./6. Jahrhundert um 268 aus Persien mit seinen Söhnen Abakuk und Audifax nach Rom, um dort die Gräber der Apostel zu verehren. Zugleich wollten die Söhne als Ärzte in Rom tätig werden.
Die Eltern und Söhne sorgten für Arme und Hilfsbedürftige und suchten in den Gefängnissen die Christen auf, die vor ihrer Hinrichtung standen, um diese zu trösten.
Durch ihre Tätigkeit wurden die Christenverfolger auf sie aufmerksam. Sie sollen gefangengenommen und gemartert worden sein.

Ihre Reliquien wurden in karolingischer Zeit von Rom vermutlich zunächst nach Aachen gebracht und von dort in die Abtei Prüm, wo sie erstmals im Schatzverzeichnis von 1003 erwähnt werden.
Neben den noch heute in Prüm bewahrten Reliquien befinden sich weitere in Seligenstadt, Gemblour und Cremona.

Bei der Restaurierung des nördlichen Turmes der Basilika entstand 1992 eine neue Kapelle mit den Reliquien der Heiligen Drei Ärzte in einem wertvollen Reliquiar. Dieses Reliquiar hat die Form eines gotischen Hauses und wurde 1891 von den Ärzten und Apothekern des Kreises Prüm gestiftet.
Joachim Schröder

Die Prümer "Viehheilige"

Eine besondere Verehrung genießt bis heute in der Abteistadt Prüm und in einigen Eifeldörfern die Verehrung der Heiligen Brigitte (Brigida). Sie wird im Besonderen als Viehheilige angefleht - bis heute kommen am 1. Februar Pilger in die Basilika.

Brigitte lebte im 5. Jahrhundert in Irland, ihr Todestag, der 1. Februar des Jahres 525, ist ihr Namensfest. Der Großraum Köln und die Eifel wurden seit der Überführung einiger Reliquien im Jahre 1587 schnell zu einer Gegend, wo sich Wallfahrten einstellten und besondere Pilgermessen gefeiert wurden. So auch in der ehrwürdigen Basilika in Prüm, wo es alljährlich am 1. Februar ein Pilgeramt gibt.

Die Brigittenverehrung entstammt dem tiefen Volksglauben, die Heilige als Patronin für erkranktes Vieh, besonders für Pferde, Rinder und Schweine, anzurufen. In der Westeifel war es üblich, dem abendlichen Gebet in den Bauernfamilien den Schluss hinzuzufügen "Und jetzt noch ein Vaterunser zu Ehren der Heiligen Brigitte". Auch waren am Brigittentag Brot- und Wassersegnungen in den Gotteshäusern üblich. Das gesegnete Brot und das geweihte Wasser wurden nach der Messe dem Viehfutter beigemischt, wie aus Pronsfeld überliefert ist.
"Am 2. Februar, dem Lichtmesstag, war es zudem Brauch, Tropfen geweihten Wachses auf die Tiere zu träufeln und aus dem Wachs der gesegneten Kerze ein Kreuz zu formen, um es an der Stalltür zu befestigen", schreibt der Heimathistoriker Nikolaus Kyll. Münzen, Gebetszettel, Heiligenpfennige und Segensbilder wurden aus den Wallfahrtsorten, so etwa aus Watzerath, mit nach Hause genommen, um gegen Unheil gefeit zu sein.
Der mit diesen Zeichen verbundene Haus- und Stallsegen stand einst hoch im Kurs. Nikolaus Kyll notiert dazu: "Noch im Jahre 1950 wurden Münzen und Pfennige in Pronsfeld an einem Dachbalken angebracht". Eigens gedruckte Haussegen mauerte man in der Eifel im Grundstein neu errichteter Gebäude ein. "Solche Hauskreuz-Zettel enthielten auch besondere Gebets- und Segensformeln", schreibt der Heimatforscher Kyll.
Wer heute die Prümer Basilika betritt, kann zur Rechten im mächtigen Hauptschiffes ein Standbild der Heiligen Brigitte betrachten. Auf dem Boden kauert eine Kuh. So oder ähnlich ist sie meist dargestellt. Die Stalltiere können aber variieren, der Hirtenstab gehört zumeist zu ihrem Bild.
Die Heilige Brigitte hat in vielen Gestalten und Namen überlebt: Brighid, Brigit, Brigid, Bhride, Bride, Briga, Briganda, als Heilige Brigitte im Christentum, als Brigantia im Angelsächsischen, als Bride in Schottland, als Brigandu in der keltischen Bretagne.  Viele Orte in Mitteleuropa erinnern noch heute an ihren Namen: die Birgitzer Alm mit dem Birgitzköpfl in Tirol, die Brigitta-Kirche in Wien, die Hauptstadt Vorarlbergs Bregenz, Burgund in Frankreich.

EXTRA
Brigitta von Kildare wird vor allem in Irland verehrt. Brigitta kam um 453 in der Nähe von Kildare zur Welt. Bereits mit 14 Jahren wurde Brigitta Nonne im Stift Meath und gründete bald selbst das Nonnenkloster Kildare, die sogenannte Eichenkirche. Dort lebte und wirkte sie als Vorsteherin und große Wohltäterin bis an ihr Lebensende. Die Verehrung Brigittas von Kildare war im Mittelalter weit über Irland hinaus in ganz Westeuropa verbreitet. Vor allem als Viehpatronin genoss Brigitta lange Zeit große Verehrung im Volk. Noch heute ist der Sankt Brigid's Day einer der größten irischen Feiertage. An diesem Tag werden traditioneller Weise die alten Sonnensymbole nachempfundenen "Brigid-Kreuze" aus Stroh geflochten. Brigitta bedeutet "die Kräftige" oder "die Tugendstarke". Brigitta von Kildare wird oft als Äbtissin mit Stab und Flammen über ihrem Kopf, auch mit Lampe oder Kerze, dargestellt. Aufgrund ihrer angeblich bäuerlichen Herkunft zeigen sie verschiedene Abbildungen auch mit einer Kuh, manche auch mit Enten oder Gänsen. Seit dem 18. Jahrhundert zeigen sie manche Bilder als Bauernmagd oder Hirtin. Brigitta von Kildare ist Patronin Irlands, der Kinder, der Wöchnerinnen, der Kühe und des Viehs.

Als das Wachs an den Pflug tropfte
Lichtmesstag früher: Einstellung der "neuen" Mägde und Knechte

Maria Lichtmess - das war früher ein Feiertag mit durchaus hoher kirchlicher Bedeutung. Auch für die bäuerliche Welt im Eifel- und Moselraum war er ein wichtiger Termin: An diesem Tag wurde das Gesinde neu eingestellt. Vielerorts gab es auch üppige Hausfeiern.
Seit altersher gab es in der Großregion Eifel/Mosel den Brauch, Kerzen in der Kirche segnen zu lassen. Den "Lichtmesskerzen" wurde im bäuerlichen Umfeld eine besondere Wunderkraft zugeschrieben. Bei Krankheiten, bei der Geburt eines Kindes oder in der Sterbestunde eines Angehörigen wurden die geweihten Kerzen entzündet. Auch diente sie als Schutz gegen Unwetter und Seuchen im Stall.
Christoph Geditz aus Gesotz (Gemeinde Hargarten, Kreis Bitburg-Prüm) ist 98 Jahre alt. Viele Jahrzehnte war der rüstige Senior ("Ich fahre noch Auto und mache alles selbst") Landwirt in der kleinen Höhengemeinde. Seine "Ära" endete im Jahre 2000: "Mit dem letzten Pferd endete meine Karriere, ich hatte es 23 Jahre". Geditz erinnert sich gut, dass es früher zu der Neueinstellung des Gesindes am Lichtmesstag kam. "Allerdings ist mir auch bekannt, dass dies bereits am Luzeientag (13. Dezember) geschah", so der langjährige Eifel-Landwirt.
Während die Mägde vornehmlich in der Hauswirtschaft tätig waren, verrichteten die Knechte die Arbeiten im Feld. "Dazu gehörte das Säen, Kartoffeln setzen, Getreide  und Gras mähen", erinnert sich Geditz. Als "Lohn" erhielten die Mägde und Knechte Naturalien, Schuhe und Kleider. "Der Schuster kam ins Haus, um Schuhe zu fertigen, der Schneider nähte den Knechten einen Anzug", so Geditz. "300 Mark im Jahr gab es zudem für jeden Knecht", weiß Christoph Geditz zu berichten.
Während im Winter das Getreide mit dem Flegel gedroschen wurde, begannen am Lichtmesstag die Vorbereitungen für die Sä-Arbeiten. "Ende Februar ging es dann richtig los: Weizen, Hafer und Gerste wurden ausgestreut, die Säzeit dauerte damals rund drei Wochen", erzählt Geditz.
Dass der Lichtmesstag eine herausgehobene Stellung im kirchlichen und häuslichen Leben hatte, ist dem Altbauern noch sehr bewusst: "Er wurde als Sonntag begangen, nach der Kirche wurde gut gegessen und es fanden gegenseitige Besuche statt", sagt Christph Geditz. An Dorffeste und -feiern in Sälen kann sich Geditz nicht erinnern.
Selbst an einen uralten Brauch, der sowohl in der Eifel als auch an der Mosel praktiziert wurde, erinnert sich der 98Jährige: "Mit den geweihten Kerzen ging man in den Stall, in die Scheuer, zu den Pferden, zu den Gerätschaften, um sie mit Wachs zu beträufeln". Sinn der Brauchübung war es, dass die Geräte ihren Dienst nicht versagten und die Scholle fruchtbar sein möge. An der Mosel ist sogar die Rede, dass man das Wachs der Lichtmesskerze zum Schutz gegen Anfeindungen auf die Kopfbedeckung der Menschen träufelte.
Lichtmess war auch ein wichtiger Zinstag. Aus den Erlösen der häuslichen Spinnarbeit und der Getreide wurden die fälligen Zinsen abgeführt. Als "Lostag" war dieser Tag um einen "Hirschsprung" (eine Zeitstunde) länger als der Tag des Winterbeginns am 21. Dezember. Lichtmess wurde auch als Wetter- und Lostag hoch geschätzt.

EXTRA

Wetterregeln

Wenn es Lichtmess stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.
Ist es aber klar und hell,
kommt der Lenz wohl nicht so schnell.

Alle Monate im ganzen Jahr
verwünschen den Februar.

Etwas scherzhaft, aber drastisch:
Lieber sein Weib auf der Bahr'
als zu Lichtmess hell und klar.

HINTERGRUND - Lichtmess - kirchlich
Das Fest der "Darstellung des Herrn" wird vierzig Tage nach Weihnachten als Abschluss der weihnachtlichen Feste gefeiert. Der früher gebräuchliche Name "Mariä Reinigung" erinnert an den jüdischen Brauch, auf den sich das Fest bezieht: Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt die Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein. Die Frau musste ein Reinigungsopfer darbringen, wahlweise eine oder zwei Tauben oder in besonders gravierenden Fällen ein Schaf. Maria pilgerte also zu dieser ihrer "Reinigung" in den Tempel. Da außerdem Jesus der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern zuerst "ausgelöst" werden: er wurde zum Priester gebracht und vor Gott "dargestellt". Als die Eltern zu diesem Zweck in den Tempel kamen, begegneten sie dem betagten Simeon und der Prophetin Hannah, die erkannten, dass Jesus kein gewöhnliches Kind ist und ihn als den Erlöser Israels priesen.

Blasiustag – Festtag der Schönecker Junggesellen

Am Sonntag feierte die Junggesellen-Sodalität Schönecken das Fest des Heiligen Blasius, ihres Schutzpatrons mit einer heiligen Messe. Anschließend traf man sich zum traditionellen Mittagessen im Vereinslokal Arenth mit anschließend gemütlichem Beisammensein und dem traditionellen Zug durch die Schönecker Gastronomie.
Der eigentliche Festtag ist am Dienstag, 3.Februar. In den katholischen Kirchen des Prümer Landes wurde bereits heute der traditionelle Blasiussegen erteilt.

Der Heilige Blasius lebte um das Jahr 300, war von Beruf Arzt und wurde Bischof von Sebaste, damals Hauptstadt der römischen Provinz Armenia. Unter Kaiser Licinius erlitt er das Martyrium.
Nach der Legende soll Blasius sich wegen der Christenverfolgung in einer Höhle versteckt haben, wo er von wilden Löwen, Tigern und Bären bewacht wurde. Vögel trugen ihm Nahrung zu, er segnete
wilde Tiere und heilte ihre Verletzungen. Die Jäger fanden kein Wild mehr, da sich alle Tiere zu Blasius geflüchtet hatten. Aus dieser Einsiedelei heraus soll er sein Bistum geleitet haben. Eine arme Frau, die durch Blasius' Gebet ihr vom Wolf geraubtes Schwein zurück erhalten hatte, ernährte ihn, brachte Schweinskopf, Brot und Kerze, nachdem sie für ihn das wieder erlangte Schwein geschlachtet hatte. Sie erhielt den Auftrag, jährlich in seinem Namen eine Kerze zu seinem Gedächtnis zu opfern.
Christus offenbarte Blasius dann eines Tages, dass die Stunde seines Martyriums gekommen sei. Er wurde trotz seiner tierischen Leibwache verhaftet und vor den Statthalter Agricola gebracht. Er weigerte sich aber, die Götterbilder anzubeten, und wurde ins Gefängnis geworfen. Im Gefängnis soll er einen Jungen, der eine Fischgräte verschluckt hatte, durch sein Gebet vor dem Erstickungstod gerettet haben. Durch seine Standhaftigkeit erbittert, ließ der Statthalter ihm mit eisernen Wollkämmen die Haut zerfetzen. Sieben Frauen sammelten sein Blut, wurden auch festgenommen und mit Kämmen gemartert; als der feurige Ofen, in den sie geworfen werden sollten, vor ihnen erlosch, wurden sie enthauptet. Nun wurde Blasius mit zwei Gefährten in einen Teich geworfen, er machte das Kreuzeszeichen über dem Wasser, Christus erschien, und trockenen Fußes schritten sie an Land. Die Heiden aber, die es ihnen gleichtun wollten, ertranken. Vor der Hinrichtung betete Blasius darum, dass alle, die ein Übel an der Kehle oder sonst ein Siechtum haben, Erhörung fänden, wenn sie in seinem Namen um Gesundung bäten. Eine Stimme vom Himmel versicherte ihm die Gewährung dieser Bitte. Mit den beiden Gefährten wurde er enthauptet.
Auf das volkstümliche
Wunder der Heilung des Jungen mit der Fischgräte geht seit dem 16. Jahrhundert der Brauch des Blasiussegens zurück, wobei zwei geweihte Kerzen gekreuzt vor den Hals gehalten werden, was bei Halsschmerzen, Ersticken und anderen Halserkrankungen helfen soll. Das Segenswort lautet: Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen. Das Brauchtum, am 3. Februar sich den Hals segnen zu lassen, hat sich über Jahrhunderte gehalten;
Der heilige Blasius ist Schutzpatron
der Ärzte, Musikanten, Bauleute, Maurer, Gipser, Gerber, Schuhmacher, Schneider, Strumpfwirker, Weber, Wollhändler; des Viehs und halt der Schönecker Junggesellen; er hilft gegen Halsbeschwerden, Blasenleiden, Blutungen, Zahnschmerzen, Geschwüre und Pest.
Februar ist der Monat, dem schon die alten Römer den Namen Februarius, Fiebermonat gegeben haben.

Der Blasiustag bezeichnete den Bauern das Winterende und wurde begangen, indem Kerzen geweiht, Wein, Wasser und Brot in seinem Namen gesegnet wurden. Junge Hühner und Gänse erhielten Blasiwasser und waren damit gegen Füchse geschützt, Hirten schnitzten den Namen des Heiligen in den Hirtenstab. Blasius gehört in die Reihe der 14 Nothelfer.

Bauernregeln:
St. Blasius ist auf Trab, / stößt dem Winter die Hörner ab

Kerzensegen im Schnee / Palmkätzchenweihe im Klee!

Blasius ohne Regen, / folgt ein guter Erntesegen.

Die "Geburt" des Weiberdonnerstag

Brunnen2_350Ortsprägende Gebäude und Naturdenkmale sind heute noch vielerorts in der Eifel erhalten. Früher hatte fast jedes Dorf einen Markt- oder Dorfplatz mit einer dominanten Kirche, einer Dorflinde und einem Brunnen.
Vereinzelt sieht man ein solches "Ensemble" noch heute. Die Größe des Dorfplatzes ist - trotz fortgeschrittener Bebauung - heute fast immer noch unangetastet, der Dorfplatz mit dem Kichvorplatz markiert die Mitte des Ortes. Oftmals waren es Lindenbäume, die diese Mitte optisch betonten, Schatten spendeten und Treffpunkt für die Bevölkerung waren. Kam noch ein Brunnen hinzu, war die Idylle perfekt. Noch heute spürt man an diesen Lokalitäten so etwas wie "Geschichtshauch" und Nostalgie.
Es gab kein Dorfgemeinschaftshaus, keine Bürgerhalle, keinen Sitzungssaal - also traf sich die Dorfbevölkerung am Brunnen in der Mitte des Ortes. Besonders im Sommer versammelte sich hier die Dorfjugend, aber auch die älteren Menschen gesellten sich dazu. Bis ins 19. Jahrhundert wurden sogar Versammlungen einberufen, um über gemeinsame Vorhaben zu beraten oder Informationen entgegen zu nehmen.
Die Linde spendete Schatten, Bänke boten Gelegenheit zum Ausruhen und Brunnen lieferten die Erfrischung. In gemeinsamer Arbeit wurden diese von den Dorfbewohnern selbst errichtet. Nicht jedes Bauernhaus besaß einen eigenen Brunnen, in der Eifel "Petz" genannt. So konnten sich die Menschen Wasser in Eimern holen und nach Hause tragen. Nur während der Trockenzeit waren diese meist verschlossen - wegen bestehender Gefahren für die Gesundheit.
Den Schlüssel zur Öffnung des Brunnens hatte der Bürgermeister, der die täglich den einzelnen Haushalten zustehende Wassermenge in Abhängigkeit von der Anzahl der Familienmitglieder festlegte. Vielfach trugen Brunnen Jahreszahlen, seltener einen Gebetsspruch. In der Eifel waren Brunnen aus Stein gemauert, die Fugen waren mit Lehm ausgekleidet. Der obere, sichtbare Teil war zum Teil aus einem einzigen Felsblock gemeißelt, teilweise aus auch zwei bis drei Steinblöcken.
Brunnen waren Schmuckstücke und Blickfänge, mit Figurenornamenten verziert und eingefasst. Das galt auch für die privaten Brunnen, den jeder wohlhabende Hof als Wasserspeicher besaß. Je reicher das Haus war, desto größer waren diese "Petze", nicht selten gab es auch zwei oder gar drei auf einem Bauernhof.

Besonders schöne Exemplare kann man bis heute in Rittersdorf bewundern, wo sie in der Dorfmitte und im Innenhof der Burg einen erhabenen Platz einnehmen.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Dorffrauen die jährliche Verpflichtung gegenüber der Gemeinde, diese Dorfbrunnen zu reinigen. Hierfür zahlte ihnen die Gemeinde den Erlös aus der Versteigerung eines Baumes. Mit diesem Geld hielten die Frauen eine Feier ab, und zwar am Donnerstag vor der Fastnacht. So erhielt dieser Tag im Laufe der Jahrzehnte den Namen "Weibertag" oder "Fetter Tag" - geboren war der "Weiberdonnerstag". Endlich einmal konnten die Frauen, die sich ansonsten vornehm in der Öffentlichkeit zurückhielten, ihr eigenes Fest feiern und einmal so richtig auf die Pauke hauen.
Und warum durften nur Frauen die Reinigung des Brunnens übernehmen? Dafür hat die Brauchtumsforschung zwei Antworten: Zum einen gab es unter den Männern vereinzelt "Brunnenvergifter", die im Ort bekannt waren. Doch ein wichtiger - religiöser - Aspekt war auch, dass die Frau als "Mutter des Lebens" und "Mutter Erde" dem Leben und dem Wasser "heilig verbunden" war. Auch sollten die Frauen mit ihrem Tun dem neuen Leben im Frühjahr den Weg bereiten helfen. "Frauen liehen der Erde, dem Wasser und dem Frühling ihre Hilfe", hieß es im Volksmund.

Eifeler Fastnachtsbrauchtum


Der Begriff “Vasnaht" oder “Fastnacht" erscheint erstmals um das Jahr 1200. Im nördlichen Teil des Altkreises Prüm meint “Fasicht" die Zeit vom “Fetten Donnerstag" bis zum Fastnachtsdienstag um Mitternacht. Im ursprünglichen Wortsinn und in der praktischen Deutung handelt es sich bei der Fastnacht eigentlich um den Abend vor dem Beginn der kirchlichen Fastenzeit. Mit ihren Eingriffen in die persönliche und öffentliche Lebensweise löste die Fastnacht in den Tagen vor ihrem Beginn ein auffallendes und buntes Brauchtum aus, das in seiner Herkunft recht unterschiedlich gedeutet wird. Grund dafür ist auch der früher nicht genau festgelegte Beginn der Fastenzeit.
Die brauchgefüllten Tage der “Fasicht" waren früher der Donnerstag, der Sonntag und der Dienstag. Der “Rosenmontag" ist erst in den letzten einhundertJahren stärker herausgestellt worden. Inwieweit Vegetationskult, Jahreszeit, provinzialrömische und frühmittelalterliche Einflüsse bei der Entstehung und Entwicklung des Eifeler Fastnachtbrauchtums mitgewirkt haben, ist aufgrund mangelnder Überlieferungen nicht mehr genau zu erklären. Erste Nachrichten über fastnachtliches Tun gibt es erst im 13. Jahrhundert. Diese stehen im Zusammenhang mit der Zeit der Einschränkung und Entbehrung in den folgenden 40 Tagen.
Wichtigste Kennzeichen der dörflichen Fastnachtsbräuche sind das reichhaltige Essen und Trinken. So spricht eine frühe Quelle bereits “von üppigem Schmauße und Tranke". Auch Caesarius von Heisterbach erwähnt im 13. Jahrhundert in einer lebendigen Schilderung den abendlichen Festschmaus bei einem Weltgeistlichen, der bis in den Aschermittwoch dauerte. Bis ins 20. Jahrhundert galt denn auch die Fastnachtszeit als beliebter Termin für das häusliche Schlachten. Zum einen brauchte man für die familiären Fastnachtsfeiern reichlich Fleisch, zum anderen war die Jahreszeit geeignet, das Frischfleisch gut konservieren zu können.

Zu den Fastnachtstagen gehörte in der Eifel auch der Verwandtenbesuch, und so bot sich in den Dörfern fast ein Bild wie zur Kirmes: Man aß, trank und spielte Karten - entweder um Geld oder um Branntwein. Aus Bettingen wird eine Sage berichtet, nach der das Kartenspiel vom “Fasichtsonntag bis zum Aschermittwoch" dauerte und der Teufel sich als Spielgeselle eingeschaltet hatte: “In Burg, das ist früher ein Wirtshaus in Bettingen gewesen, heute steht es
nicht mehr, da haben einmal am Fasichtsonntag Kartenspieler gesessen. Da fluchte einer: Den ersten, der aufhört, soll der Teufel holen!` Nun, jetzt konnten sie ja nicht gut aufhören. Da spielen sie die ganzen Tage durch bis Aschermittwochmorgen. Da kam e Grußen rein mit einem Pferdefuß und setzte sich an den Tisch und fragte, ob er helfen könne. Sie haben nicht gern nein gesagt und lassen ihn helfen. Die Frauen kommen die Männer rufen, aber die können nicht heimgehen. Zuletzt sahen die anderen, was los war, und man ruft den Pastor. Der kommt auch und hilft beim Kartenspiel. Er spielte eine Runde mit, dann hörte er auf. Da fuhr der Teufel zum Fenster hinaus. Das hat meine Großmutter erzählt, sie hat gesagt, sie hätte das noch erlebt." (aus: Zender, Sagen, Nr. 846)

Am Aschermittwoch ist alles vorbei...

Der Aschermittwoch markiert - nach den närrischen Tagen - den Auftakt der 40tägigen Fastenzeit. Regionale Brauchtumshandlungen mit einer spezifischen Ausprägung für die Eifel sind nicht bekannt.
Unter Einbeziehung von Karfreitag und Karsamstag und unter Ausschluss der Sonntage ergeben sich 40 Fastentage vor dem höchsten christlichen Feiertag, dem Osterfest. Weil die Büßer in der Kirche an diesem Tag nach alter Tradition mit Asche bestreut werden, erhielt dieser Tag den Namen Aschermittwoch. Seit dem 10. Jahrhundert lässt sich die Austeilung des Aschenkreuzes an diesem Tag nachweisen.
Nach der klassischen Fastenspeise, die auch in der Eifel gerne verzehrt wird, heißt der Tag auch Heringstag. Aschermittwoch als Übergang zwischen Fastnacht und Fastenzeit wird nicht erst in unseren Tagen durch - vermeintlich oder tatsächlich - “nachgeholte” Fastnachtsveranstaltungen (Ball der Köche, Taxifahrer) pervertiert. Das symbolische Fischessen am Aschermittwoch zelebriert man im Rheinland als lukullisches Ereignis.
Asche als reales Symbol für die Vergänglichkeit und Bußgesinnung war im gesamten Rheinland bekannt. Die neutestamentliche Formulierung, nach der in Sack und Asche Buße getan wird, fand Eingang nicht nur in deutsche Redensarten. Als Mahnung und Erinnerung an die eigene Relativität, als Hinweis auf die Notwendigkeit zu Buße und Umkehr angesichts des unausweichlichen Todes, den der im vermeintlich immerwährenden Jetzt lebende Mensch nur zu gerne verdrängt, ist die Symbolik der Asche ein nach wie vor lebendiges Symbol.
Am Aschermittwoch begann in der frühen Kirche die öffentliche Buße, an dem die Büßer ein Bußgewand anlegten und mit Asche bestreut wurden. Als die öffentliche Buße außer Gebrauch kam (10. Jh.), übertrug sich die Asche-Symbolik auf alle Gläubigen. Aschesegnungen im Christentum lassen sich deshalb bis mindestens zum 10. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Aschenkreuz auf der Stirn der Gläubigen versinnbildlicht den Anbruch der Bußzeit und des Fastens. Bei der Austeilung spricht der Priester traditionell die Worte: “Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst” und erinnert damit an Jesus Sirach, wo die Menschen als “nur Staub und Asche” definiert werden. Die Asche des Aschermittwochs wird seit dem 12. Jahrhundert aus den am Palmsonntag übriggebliebenen Palmzweigen des Vorjahres gewonnen. Diese wird am Beginn der Aschermittwochsfeier vom Priester gesegnet.
Joachim Schröder

Auf den Eifelhöhen lodern die Burgfeuer

Früher: Vegetationskult, Wachstumszauber, Winteraustreiben  - heute geselliger Spaß

In diesem Jahr fällt der so  genannte "Burgsonntag" auf den 13. März. Das scheint zunächst ein angemessener  Termin für den Winteraustrieb - aber sicher ist auch nicht gesagt, dass  Väterchen Frost ade sagt. In 80 Prozent der Fälle kommt dieser Termin zu früh  für die Eifel - aber Brauch ist Brauch. Und das ist gut so - Hauptsache man hält das überlieferte Brauchtum aufrecht.

In der Westeifel heißt der erste Fastensonntag "Burgsonntag", in  der südlichen Eifel sagt man "Hüttensonntag". Gemeint ist dasselbe: Der Winter  soll mit lodernden Höhenfeuern ausgetrieben werden.
Der Jahrhunderte alte Brauch geht auf ein heidnisches Brauchtum  zurück, bei dem der Frühling begrüßt und der raue Winter vertrieben werden  sollte. Der Termin schwand im Kalender, manchmal ist es noch knochenharter  Winter, ein anderes Mai schon wärmender Frühling. Fast immer liegt er vor dem  kalendarischen Frühlingsanfang und erscheint für die Westeifel als zu früh. In seinen Ursprüngen vermutet die Volkskunde in diesem Jahresfeuer überlieferte  Brauchformen, die von vegetationsgläubigen Leitmotiven geprägt sind. Das  Abbrennen einer "Burg" wird zudem als eine Zauberhandlung und ein magischer  Ritus zur Erweckung der Lebenskraft gedeutet.

Wesentliches Kennzeichen des Burgsonntags war immer das Erdfeuer, das dann zusätzlich durch ein Strohmann-Verbrennen erweitert wurde. Schon Wochen  zuvor waren die männlichen Jugendlichen im Wald unterwegs, um einen geeigneten  Fichtenbaum zu schlagen. Nach dem Fällen wurde er dann mit Hilfe von Handkarren  in einen Schuppen verfrachtet, wo er zum Trocknen aufbewahrt wurde. Nicht selten  gab es zwischen den Ortsteilen oder Nachbardörfern heftige Rivalitäten: "Wir beobachteten das Geschehen im Mitteldorf ganz genau, wussten meistens, wo der  Baum gelagert war und waren auf Streiche aus", so ein 78jähriger Pronsfelder.  Zweimal war es den "Oberdörflern" in den 50er Jahren gelungen, den "Gegnern" im  Mitteldorf die Sache gründlich zu verderben: Als man den "schönen Baum" für den  Sonntag zum Burgplatz tranportieren wollte, traf man auf vier Teile. Umgekehrt  gelang es den Mitteldorfern, in der "Nacht der Nächte" vor dem Burgsonntag den  "Holländern" das Burgloch zuzuschütten, und das mit Abfällen und  Stallmist!
Viele Streiche, Schauergeschichten und Anekdoten ranken sich um  das fröhliche Treiben. So wird bis heute von erlebten "Steckelchem" erzählt.  Auch sollen "die jungen Wilden" am Burgsonntag kräftig geraucht, viel getrunken  und zahllose "Schinken geklopft" haben. Denn nach dem Abbrennen der Burgfeuer ging es mit Gesang ins Dorf; wo ein jung vermähltes Paar "den Kuchen gebacken  hatte". So sagt man bis heute, nur: die Zeiten haben sich gewaltig geändert.  Früher verstand man unter "Kuchen backen" Waffeln, Nutsen und Pfannekuchen,  heute sind es denn schon eher feine Torten, Gebäck und Edles zum Trinken.  Geschichten machten hier die Runde, die rußgeschwärzten Gesichter taten ein übriges “fürs Ambiente".
Und dann, nach getaner Arbeit und kräftigem Schmaus, ging es raus  ins Freie, um ein deftiges "Schinkenklopfen" auszutragen. "Hier hat es manchen Hieb gesetzt und einige Hintern konnten am nächsten Tag in der Schule noch nicht  richtig sitzen", so ein Senior, der sich noch an alle Einzelheiten bestens  erinnern kann. "Auch das Rauchen hat uns zugesetzt", sagt er weiter, "wir  wollten einfach einmal so sein wie die  Erwachsenen".
Viele Brauchhandlungen haben sich bis heute erhalten. Das  Baumschlagen und -wickeln, das Wachen am Feuer, das Burgloch ausheben, das  Entzünden und das nächtliche Zeremoniell. Spannend wird es dann gegen Abend,  wenn die Dunkelheit eingesetzt hat und alle auf den großen Moment warten, wenn  der Baum entzündet wird. Dies geschieht bis heute mit einer Wurffackel, die  möglichst oben am Baumkreuz einschlagen soll. Früher gehörte das Singen und der Tanz um den brennenden Baum dazu, das ist heute verschwunden. Geblieben ist  dagegen das Beäugen der Nachbarn: Wer fängt zuerst an? Die Oberdörfer, die  Holländer, die "Lirageber", die "Pitteber"? Am nächsten Tag heißt es dann unter  den Schuljungen wie immer: "Urs Burich wor die schungst und die jrusst, uns  braant am langsten, dir word die bangsten..."
Und wer kennt noch den mundartlichen Heischespruch? Also  aufgepasst, Burgjungen: "Lire  lire, lotter, een Kletsch Botter, Speck ous dem Hoarscht, Mell aus dem Hegger,  Melich ous dem Kiehogger, Eier ous dem Nast, die Höhner han et vol jeloarscht".

Gertraud - die erste Frühlingsbraut

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Einige Pfarreien im Bistum Trier verehren die heilige Gertrud als Pfarrpatronin. So auch die Gemeinde Lünebach (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Ihr Namensfest ist sehr volksbeliebt und bekannt, da die Heilige der bäuerlichen Bevölkerung nahe steht. Früher fehlte in keiner größeren Bauernfamilie der Mädchenname Gertrud.
Ihr Gedenktag, der 17. März, markiert den Beginn der ländlichen Frühjahrsarbeit, weswegen man Gertrud von Nivelles als Frühlingsbotin, “Sommerbraut” oder “erste Gärtnerin” betrachtet. Es ist übrigens derselbe Tag, an dem auch die germanische Göttin Freya ihren Ehrentag hatte; die Aufgaben dieser vorchristlichen Göttin sind zum Teil auf Gertrud übertragen worden. 
An diesem Tag endete in den Familien früher die Spinnstubenzeit, die Felder wurden bestellt und bei Prozessionen gesegnet. Zahlreiche Bauernregeln für diesen Tag weisen darauf hin. Die Bauernregel "Gertrud mit der Maus treibt die Spinnerinnen raus". beruht darauf, dass - einer Legende nach - Gertrud ihr Land durch ihr Gebet von einer Ratten- und Mäuseplage befreit und damit die Ernte gerettet hat. Die Anrufung Gertruds gilt daher als wirkungsvoll gegen Nagetiere.
Nach der Heiligen ist das Gertrudenkraut, besser bekannt als "Weinraute", benannt. “Gertrudenminne” trank man beim Abschiednehmen oder nach einer Versöhnung. “Gertrudenwasser” hilft gegen Mäuse und andere Schädlinge auf den Äckern, “Gertrudenzettel” werden zu deren Vertreibung in Mäuselöcher gesteckt.

Extra
Gertud von Nivelles (626- 659) war Äbtissin des Klosters Nivelles (im heutigen Südbrabant /Belgien). Hauptsächlich bekannt ist sie dafür, dass sie irische Wandermissionare auf das europäische Festland berief und für sie das erste Spital bauen ließ. So wird sie meistens auch mit einem kleinen Spitalmodell in der Hand dargestellt. Gertruds außerordentlicher Eifer für die Betreuung von Kranken, Witwen, Pilgern und Gefangenen ließ sie zur besonderen Patronin von Spitälern werden, die im Mittelalter ihren Namen trugen.

  • Bauernregeln
    Friert's an St. Gertrud, währt der Winter noch zwei Wochen.
  • Sankt Gertraud führt die Kuh zum Kraut, die Bienen zum Pflug und die Pferde zum Zug.
  • Sankt Gertrud tut die Erd' von unten auf.
  • Wer dicke Bohnen und Möhren will essen, darf St. Gertraud nicht vergessen.
  • Ist St. Gertraud sonnig, wird dem Gärtner wonnig.
  • Gertraud - sä´s Kraut!
  • Gertrud mit der Maus treibt die Spinnerinnen raus.
  • Gertraude nützt dem Gärtner fein, wenn sie kommt mit Sonnenschein.

    Joachim Schröder

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