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Prüm - Stadt des Rheinland-Pfalz-Tages 2011 vom 27.- 29. Mai 2011
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Brauchtum von April bis Juni
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Aprilscherze und ihr möglicher Ursprung
Als Aprilscherz bezeichnet man den Brauch, am 1. April seine Mitmenschen durch erfundene oder verfälschte Geschichten hereinzulegen. Aprilscherze sind in den meisten westeuropäischen Ländern üblich, verbürgt sind sie bereits seit dem 16. Jahrhundert. Erstmals überliefert ist die Redensart "in den April schicken" in Deutschland 1618 in Bayern. Mit den europäischen Auswanderern gelangte diese Tradition auch nach Nordamerika. Mit der Bezeichnung Aprilscherz werden auch Personen bezeichnet, die am 1. April Geburtstag haben.
In der Eifel hat sich der Brauch, Menschen als "Aprilnarr" zu veräppeln, bis heute erhalten. "Kuckuck" nennt man das "Opfer" auch, das herhalten muss für kleine und große Narreteien. Damit bringt man den "Geschickten" in die Nähe des Singvogels, der - einem Narren gleich - seinen eigenen Namen in die Welt hinaustönt. Schon am Morgen des 1. April fängt die Spaßerei an. Zuhause, in der Schule und auf den Straßen schickt man Leute in den April. "Dein Schuh ist aber löchrig", "Heb mal den Becher auf" oder "Hole mir mal den Korb im Keller" - kleine morgendliche Ulkereien. Draußen setzte sich der Spaß dahingehend fort, dass man Mitmenschen, besonders Kinder, eine Wegstrecke laufen ließ, um angeblich etwas zu besorgen. Dabei handelte es sich um "erfundene Produkte", deren (Un-)Sinn einem erst bei näherer Betrachtung auffiel: Mückenfett, Hau-mich-blau, Gallzwicken, Buckelblau, ein gerades Häkchen, gedörrter Schnee, gehackte Flohbeine, Kuckucksöl, O-wie-dumm, schwarze Kreide, gesponnener Sand, Kieselsteinöl oder ein Nebelrenner. Findige Dinge aus kreativem Kopfe. Als Kinder wurde man so schnell zum Opfer, ausgelacht und verhänselt. Aber man wusste ja: Heute ist der 1.April - Scherz- uznd Spaßtag. Der Volksglaube erblickte im 1. April einen Unglückstag. Unter Heiratswilligen war er tabu, Kuhmilch wurde verhext und launiges Wetter war vom Teufel gemacht.
Wetterregeln
- Schnee im April gut düngen will.
- Trockener April ist nicht des Bauern Will', April mit Regen ist ihm gelegen.
- Wenn der April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu und Korn.
- April und Weiberwill' ändern sich sehr schnell und viel (Scherz).
Joachim Schröder
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Palmsonntag im Brauchtum
Höhepunkt der fastenzeitlichen Feiern vor der Karwoche ist der Palmsonntag, in der Eifel "Palmsonndisch" genannt. Feste Bestandteile dieses Festes sind die Prozession und die Palmweihe.
Als "Pälm" bezeichnet man die Zweige des Buchsbaumes, der früher in jedem Bauerngarten vorzufinden war (Meist schufen niedrige Buchshecken Markierungen im Garten, flankierten die Wege oder ein in der Mitte gelegenes Rondell). Auch in der Nähe alter Dorfkirchen oder Wegekreuze fehlte der Buchs nicht. Diese immergrüne Pflanze konnte sich wegen ihrer guten Wuchseigenschaften und Genügsamkeit gegen die Walddistel und den Wacholder durchsetzen. Auch im Begräbniswesen hat dieser "Pälm" einen hohen Stellenwert: So wurden Grabkränze wurden aus Buchsbaumzweigen hergestellt, ein Zweig auch in den Sarg gelegt.
Palmsträußchen werden bis heute am Palmsonntag vor allem von den Kindern zum Hochamt in die Kirche mitgebracht. Nach einem alten Brauchrecht gabe kinderlose Familien ihren "Pälmwisch" den Nachbarkindern mit, die dafür ein Osterei erhielten. Der gesegnete "Pälm" fand in der Volksfrömmigkeit eine vielfache Verwendung. Gleich nach der Weihe steckten sich die Männer und Jungen einen kleinen Zweig auf den Sonntagshut und zusätzlich ein Blatt in das Schweißfutter des Hutes, wo er das ganze Jahr über verblieb. Zu Hause wurde je ein Zweiglein in der Stube oder Küche, in Scheune und Stall angebracht. Einen Segenszweig brachte man in den Hausgarten und in die Saatfelder - Heilszeichen gegen Hagelschlag und Misswuchs. Palmzweige wurden als Weihwasserwedel verwandt, besonders bei einem Sterbefall. Bis heute ist er auch auf den Gräbern als "Segenswisch" zu finden. In der Eifel bekam früher jedes Stück Vieh am Palmsonntag ein mit Weihwasser besprengtes Brotstück, in das man ein Blättchen des gesegneten Buches gesteckt hatte. Den Rest des Palmwischs hängte man früher neben den Krautwisch auf dem Dachboden an einem Sparren auf. So geschieht es teilweise auch noch heute.
Bei sommerlichen Gewittern wurde ein Zweig als Abwehrzeichen in das Ofenfeuer geworfen, um das Hausfeuer zu zähmen, das nach altem Volksglauben mit seinem aufsteigenden Rauch das Gewitter anzog. In den Eifelstädtchen war es auch Sitte, dass die Leute, besonders die Jugend, am Palmsonntag neue Kleider trugen - Zeichen des Aufbruchs in den Frühling und Vorfreude auf das Osterfest. Joachim Schröder
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Kirchliches Brauchtum in der Karwoche - Karfreitag als liturgischer Mittelpunkt
"Karwoch - Schauerwoch", sagen die älte- ren Mitbürger in der Eifel und verweisen damit auf das teils raue Klima hierzuland. In der Tat hat diese vorösterliche Woche meistens eine Menge Wetterkapriolen im Gepäck. Tief verwurzelt ist das religiöse Brauchtum in diesen Tagen. Auf Hochtouren laufen die häuslichen Vor- bereitungen im Haus: Eier bemalen, Nest- chen vorbereiten, österlichen Schmuck in die Wohnung zaubern oder die Osterlämm- chen backen. Tradierte Sitten und Gebräu- che, die seit jeher in den Familien gepflegt werden. Doch auch dem Glaubensleben widmen die Menschen ihre Aufmerksamkeit. "Pälmwesch" bezeichnen die Eifeler ihren Buchsbaumstrauß, den sie am Palmsonntag zur Segnung in die Kirche mitnehmen. Im Bauerngarten fehlte der Buchs ebenso wenig wie in der Nähe alter Dorfkirchen. Der gesegnete "Pälm" findet in der Volksfrömmigkeit eine vielfache Verwendung. früher steckten sich (junge) Männer einen kleinen Zweig in den Sonntagshut, wo er das ganze Jahr über verblieb. In den Häusern wurden Zweige hinter jedem Zimmerkreuz angebracht. In gewissen Landesteilen wurden Palmzweige als Weihwasserwedel verwandt, womit man Dachboden, Spei- cher, Keller oder Hauszimmer segnete. Bei schweren Gewittern wurde Teile des "Pälmweschs" in das Ofenfeuer geworfen. Palmzweige gehörten auch in den Sarg eines Verstorbenen. Die Kartage selbst wurden und werden mit einer feierlichen Gründonnerstagsmesse eröffnet - Erinnerung an die Abendmahlfeier Jesu. In der heiligen Messe ist die Fußwaschung ein lebendiges Element, beim Gloria läuten letztmals die Kirchenglocken und Altarschellen. Auf einem Seitenaltar wird das "Heilige Grab" hergerichtet - bis in die 50er Jahre war dies eine Aufgabe für die Dorfmädchen. Unter einem roten Tuch wurde das Kruzifix aufbewahrt, der Volksmund sprach vom "Herrjott bejrawen". Erstaunlicherweise ist selbst in der katholischen Eifel der Karfreitag kein kirchlicher Feiertag. Dennoch besuchen viele Gläubige die Karfreitagsliturgie "um die neunte Stunde" - also um 15 Uhr. Früher waren auch Prozessionen üblich - Umzüge mit Spielcharakter ähnlich der Passionsspiele. Weithin bekannt war die Prümer Karfreitagsprozession, die wohl ihren Ursprung in der Erbauerzeit der Kalvarienberg-Kapelle hat. "Als Christus-Darsteller meldete sich stets ein Freiwilliger, der diesen Gang als Buße auf sich nahm", heißt es in einer Quelle. Auch Trier, Wittlich und Cochem kennen solche Prozessionen am Sterbetag Jesu Christi. Der Daleidener Pfarrer Bormann beschreibt die Ergriffenheit der Menschen anlässlich der Prümer Prozession: "Beim Anblick des erhängten Judas an einen Baum auf dem 'Kahlenberg' war ein einziger lauter Aufschrei zu hören", schreibt er. Doch gab es auch Ausgelassenheit bei diesen "Passionsspielen", so dass der Trierer Erzbischof Klemens Wenzeslaus rigide Bestimmungen über Form und Bekleidung erließ (1782). Vereinzelt gibt es in der Eifel das Passionsspiel - nach Oberammergauer Vorbild. Schon in den 20er Jahren boten Laienspieler in Gillenfeld solche Darbietungen mit Kreuzigungsszene, vor 20 Jahren kreierte Pastor Paul Kirsch in Wallersheim Passionsspiele, die Tausende in die Pfarrkirche lockten. Weithin bekannt ist in der Eifel der so genannte Klapperbrauch. An den Kartagen ziehen scharenweise Jungen durch die Dörfer, um mit ihren Lärminstrumenten auf die Gottesdienste und das Angelus-Gebet aufmerksam zu machen - denn die Glocken schweigen in diesen Tagen. Diese Klappersitte beginnt am Karfreitagmorgen und endet vor der nächtlichen Ostermesse oder Auferstehungsfeier. Das Tun der Jungen wird mit Eierspenden belohnt. Auch das Austragen des Osterwassers geschieht zumeist an Karsamstag, dem Tag der Grabesruh, an dem es keinen Gottesdienst gibt.
HINTERGRUND
Karwoche Die Woche zwischen Palmsonntag und Ostern heißt Karwoche. "Kar" leitet sich vom mittelalterlichen Wort Wehklage, Sorge ab, das sich noch in dem englischen "care" findet. Kartage sind im engeren Sinn Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Die Vorsilbe "Kar" für den Montag, den Dienstag und Mittwoch hat sich nicht durchgesetzt.
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"Während der Kartage sind die Glocken in Rom" Vom Brauchtum des Klapperns in den Eifeldörfern
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"Die Glocken sind in Rom, um beim Papst ihre Osterbeichte abzulegen"; oder, nach einer anderen scherzhaften Redensart, "um dort Brei zu essen". Gemeint ist die Zeit der Kartage, an denen die Glocken der Eifelkirchen verstummen und durch ein originelles, bis heute lebendiges Brauchtum ersetzt zu werden: das Klappern. Letztmals läuten die Glocken und erklingen die Altarschellen beim Gloria in der Gründonnerstagsmesse, um dann bis zum Gloria der Ostervigil stumm zu bleiben. Für diese drei Tage übernehmen die Klappern im Kirchenraum den Dienst der Schellen und im Dorfleben die Aufgabe der Kirchenglocken. In der Westeifel ist die Bezeichnung "Klapper" ein Sammelbegriff für die drei verschiedenen Arten dieser Lärminstrumente: Klapper, Zarr und Flippflapp. Bei der herkömmlichen Klapper handelt es sich um ein rechteckiges Holzgehäuse, gegen dessen Wand abwechselnd vier Klöppel schlagen, die von den Zähnen einer Drehwalze zuvor gebogen wurden. Nach dem gleichen System arbeitet die "Zarr", bei der die Kurbelwalze zahnradartig eingekerbt ist. Die Zarr, verhältnismäßig selten anzutreffen, wird hochgehoben, wobei der Schwengel festgehalten und durch die Luft rundgewirbelt wird. Häufig dagegen trifft man die Flippflapp. Hierbei handelt es sich um ein Brett mit einem Stiel, dessen oberes Ende durch das Brett ragt und einen beweglichen Holzhammer festhält, der beim Schwingen des Stiels im "Flipp-Flapp-Ton" auf das Brett schlägt. In der Kirche ersetzt dieses Instrument die Schellen. Um 1630 erwähnt Cusanus in seiner 'Christlichen Zuchtschul" den Brauch, an den Kartagen nicht zu läuten und "in dern Platz macht man ein Gethön mit den höltzernen Klappern''. Im 11. Jahrhundert erwähnt Rupert von Deutz das Schweigen der Glocken: "Campanae conticescunt..." Weitere Quellen deuten auf einen frühen Gebrauch der Klappersitte im Gottesdienst hin, wobei zumeist eine "'Hammerklapper", sprich Flippflapp, gemeint war. Diese galt im Mittelalter auch als beliebtes Kinderspielzeug. Traditionell ist Klappern Jungensache. Mädchen waren grundsätzlich ausgeschlossen. Waren! Denn heute ersetzen sie zuweilen die arg gelichteten Reihen des Knabenzuges. "Kupphären" sind einige Jungen des 9. (früher 8.) Schuljahres. Den Jungen, die noch nicht zur 1. Kommunion gegangen sind, steht die Flippflapp zu, während die Großen sich der "großen," Klapper rühmen, nicht ohne dies auch entsprechend zu betonen. Der Klapperzug unterteilt sich in mehrere Gruppen, vermutlich als Ergebnis der alten Siedlungskerne der Eifelorte. So stellt Pronsfeld beispielsweise drei Klappergruppen: die Oberdorfer, die Mitteldorfer und die "Holländer”. Die "Kupphären" ordnen den Zug in Zweierreihen, bestimmen Zeit und Weg des Zuges und geben das Zeichen zum bestimmten Klapperruf. Der Klapperzug hat die Aufgabe, die Tageszeiten am Morgen, Mittag und Abend zu verkünden, da ohne die Glocken ein wichtiger Orientierungspunkt im Leben der Dorfgemeinschaft fehlte. Außerdem riefen sie zum Gottesdienst. Der Inhalt der mitgeteilten Rufe und Aufforderungen ist in der Westeifel fast überall gleich, unterschiedlich nur das Vokabular und die Mundart. In meinem Heimatort Pronsfeld lautet der morgendliche Ruf 'Et lockt Bätglock!" Mittags: "Et lookt Mettisch!". Abends: ”Et lookt ze Noascht!” Beim Klappern vor den Gottesdiensten heißt es entsprechend zu den Benennungen der Glockenzeichen: "Et Iookt firrd ierscht!" und "Et lockt zuhoof!" Das Klappern und Rufen ist recht unrhythmisch, nicht melodiös, dafür aber laut. Vielfach wurde, so in Fleringen mitgeteilt, vor dem Klapperzug gebetet, zumeist der 'Engel des Herrn'. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß bei außerordentlichen Ereignissen im Pfarr- und Dorfleben die Klapperjungen den Dienst der Glokke übernahmen. So meldeten sie durch ihr lärmendes Klappern einen Sterbefall oder luden zum Totengebet und Rosenkranz. Das Klappern schließt am Karsamstag mit der Verteilung der Eier ab. Die Anzahl dieses Eierlohnes richtet sich streng nach Alter und Hierarchie. Als kleiner Junge kann man für treue Klapperdienste an Mittag und Abend mit zwei Eiern rechnen. Für jedes Schuljahr wird ein Ei dem Lohn hinzugefügt. Die Jungen des letzten Schuljahres teilen den Rest unter sich. Das ergibt bisweilen etliche zigStück. Diese Eierverteilung war zumindest früher eine "hochheilige" Zeremonie, die nach strengen Ritualien ablief. Kritik am Tun der Großen gab es nicht, eher ehrerbietenden Gehorsam und Anerkennung der `Autoritäten'', d. h. der älteren Mitschüler. Joachim Schröder Videofilm “Klappern in Büdesheim” von Udo Schikora
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Traditionelle Karfreitagsprozession zum Kalvarienberg
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Morgen, Karfreitag, lädt die Pfarrgemeinde Prüm die Gläubigen zur Karfreitagsprozession vom ”Ölgarten” bei der Bertrada-Grundschule zum Kalvarienberg ein, um von hier betend den Kreuzweg zum Kalvarienberg zu gehen. Hiermit setzen sie eine alte Tradition in Prüm fort. Treffpunkt ist um 9 Uhr bei der Grundschule. Erstaunlicherweise ist nach dem Volksglauben der Karfreitag kein Feiertag. Wohl passen zu diesem Tag bestimmte Ver- und Gebote. Aus Pronsfeld wird berichtet, dass man am Karfreitag den Stall nicht ausmisten soll, aus Niederhersdorf, dass man keinen Baum fällen soll. Günstig ist es, am Karfreitag eine Wünschelrute zu schneiden, sie gilt als besonders verläßlich. Das Brot, das man am Karfreitag backt, hält sich ein ganzes Jahr hindurch, ohne zu schimmeln. Am Nachmittag, "um die neunte Stunde"' (Sterbestunde Jesu), säte man gerne den Flachs. Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren am Karfreitag Prozessionen üblich, wobei Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt wurden. Diese Umzüge mit Spielcharakter haben ihre Wurzeln in den spätmittelalterlichen Passionsspielen. Einen bemerkenswerten Zulauf hatte die Prümer Karfreitagsprozession, die mit einem Passionsspiel verbunden war. Ihren Beginn bringt Oster in Zusammenhang mit der Erbauung der Kapelle auf dem "Kahlenberg" im 17. Jahrhundert, der in der Folgezeit seinen Namen in "Kalvarienberg" umwandelte. Zum Christusdarsteller soll sich stets ein Mann aus Prüm oder Umgebung gemeldet haben, der diese Aufgabe als Buße auf sich nahm. Wegen Trinkerei und Ausgelassenheit erließ der Trierer Erzbischof Klemens Wenzeslaus mit Datum vom 25. März 1782 einschneidende Bestimmungen über Formen und Bekleidungen anläßlich der '*Spiele". Nebst Prüm wurde auch über Ausschweifungen in Trier, Wittlich und Cochem verhandelt. Bis in die 50er Jahre ging in Prüm am Karfreitagmittag eine große Prozession von der Salvatorkirche hinauf zum Kreuz auf dem Kalvarienberg. Der Daleidener Pfarrer Bormann beschreibt, wie die Teilnehmer mit großer Ergriffenheit den Leidensdarstellungen folgten. Beim Anblick des erhängten Judas an einem Baum ”war ein einziger lauter Aufschrei zu hören”.
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Wasser und Kerze haben besondere Kraft
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Christliches Brauchtum am Karsamstag
Der Karsamstag gilt als der "Tag der Grabesruh". Jedoch hat sich seit der Liturgiereform des Osterfestes die Vorverlegung der Osternacht ergeben. Durch die feierliche Segnung von Feuer und Wasser in der Osternachtsmesse, die gewöhnlich schon am frühen Abend stattfindet, rückt das österliche Feuer und das Weihwasser zusammen mit der Osterkerze in den Mittelpunkt der Feier. Das Osterfeuer wird vor der kirchlichen Feier im Freien entfacht; früher geschah dies mit Hilfe zündender Funken aus einem Stein. Die Kohlen des Osterfeuers besitzen nach Volkes Meinung eine besondere Kraft. Die Asche wurde daher in einigen Orten unter das Viehfutter gemengt (Esch, Niederehe). In der Hocheifel machte man mit der Asche Kreuze als Heilszeichen auf die Türen der Ställe und Scheunen. Als volksfrommes Abwehrmittel gegen Schäden durch Schneckenfraß versteckte man die Kohlenreste in die Gartenerde, wie 1953 aus Habscheid berichtet wird. Am gesegneten Osterfeuer entflammte man einen Wachsdocht, mit dem der Priester die Osterkerze anzündete. Bis um 1800 war es üblich, daß die Pfarrei die Kerze selbst fertigte, wobei das Bienenwachs aus Zinsleistungen, Weihegaben und dem Ertrag der pfarreigenen Bienenstöcke stammte. Für die Kerzenerzeuger stellte die Kirchenkasse die Beköstigung. In der Volksfrömmigkeit galt die Osterkerze als abwehrkräftig gegen alles teuflische Werk. Als Abwehrmittel gegen unheilvolle Praktiken der Hexenmeister legte man kleine Stücke der Kerze dem Grundstein bei. So fand man 1959 "Reliqien ”von derheyligen Osterkertz" im Grundstein der ehemaligen Posthalterei in Grevenmacher/Lux. Auch ist von "heimlichen Diebstählen" berichtet, wobei das Volk sich Partikel der Osterkerze anzueignen wußte. In einigen Sagen Zenders aus der Westeifel klingt noch der überlieferte Volksglaube an die hexenabwehrende Kraft der Osterkerze nach. In der Kirche findet des weiteren die Weihe des Weihwassers statt. Von diesem Weihwasser trennt der Priester einen Teil ab und gießt es in das Taufbecken. Hier wird es unter Hinzugabe von neuem Tauföl und Chrisam zu Taufwasser geweiht. Im Bitburger Land nennt man noch heute das österliche Weihwasser 'den Doof". Dementsprechend haben die Eier, die dem Pfarrer und Küster mancherorts bis vor wenigen Jahren als altüberlieferte Gebühr für das Osterweihwasser, "den Doof", zustanden, die Bezeichnung "Doofeier". Nach dem Gottesdienst in der Osternacht drängten sich in den Pfarrkirchen die Menschen um die Zuber mit dem "neuen" Wasser, um ihre mitgebrachten Flaschen und Krüge zu füllen. In anderen Orten tragen die Meßdiener noch heute das Weihwasser in die Häuser und erhalten hierfür ihre Ostereier. Das Wasser wurde mancherorts von Kranken am Karsamstag genossen oder nach dem Mittagstisch herumgereicht.
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Wasser, Hase, Kerze, Ei: Osterbräuche früher und heute
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Ostern in der Eifel: Das Weihwasser wird ausgetragen, Kerzen werden in den Kirchen entzündet, Eier bemalt und "getickst" und bunte Nester schmücken den Ostertisch - viele Bräuche haben sich bis heute erhalten. Ostern zählt zu den Hochfesten im christlichen Kulturraum - entsprechend groß ist das Brauchtum, das sich um das Auferstehungsfest entfaltet hat. Das germanische Stammwort "ausa" bildet die semantische Grundlage für das Fest, es bedeutet "schöpfen, gießen". Damit verweist die Wortbedeutung "Ostern" auf die Taufe. Ostern feiern die Christen nicht an einem wechselnden Wochentag wie etwa Weihnachten, sondern immer am Sonntag nach dem ersten Frühlings-Vollmond. Somit schwankt der Ostertermin zwischen dem 22. März und dem 25. April. Durch die feierliche Segnung von Feuer und Wasser in der Osternachtsmesse rückt die Osterkerze in den Mittelpunkt der nächtlichen Feier. Das Osterfeuer wird vor der kirchlichen Feier im Freien entfacht, die Asche wurde in früheren Zeiten dem Viehfutter beigemischt. Auch brachte man mit ihr Kreuze als Heilszeichen auf die Türen an. Am gesegneten Osterfeuer entzündete man einen Wachsdocht, mit dem die Osterkerze angesteckt wurde. Auch die Segnung des Weihwassers ist uralter liturgischer Brauch. Früher drängten sich die Gläubigen um das Taufbecken, um das Weihwasser in Flaschen und Krügen mit nach Hause zu nehmen. Heute wird das Wasser vielfach in die Häuser gebracht, zum Lohn erhalten die Träger Eier oder Bargeld. In früherer Zeit wurde das Wasser auch getrunken und an Kranke weiter gereicht. Erstmals erklingen während der Osternachtsmesse auch die Glocken und Altarschellen, die ab Gründonnerstag "Schweigepflicht" haben. Zum feierlichen Gloria stimmt auch die Orgel wieder ein, die Gemeinde lässt das Halleluja erschallen, die Altarschellen klingen in allen Kirchen zum Zeichen des Sieges über den Tod. Zum Osterfest gehört in der Eifel das Ei, zum Osterbrauchtum in den Familien gehören gewisse Eierspiele. Eierabgaben und -geschenke gab es seit altersher als Zins-, Tauf-, Klapper- und Beichteier. Nach den Wochen der Fastenzeit bekam an Ostern das Essen einen besonderen Platz in der Familie. Ostereier wurden ursprünglich als Heilszeichen verzehrt - Abwehr gegen Erkrankung und "bösen Befall". Das Eierschenken hat sich zunächst in klösterlichen Kreisen herausgebildet. Von "gefärbten Eiern" ist erstmals in einem Rechnungsbuch aus Ehrang die Rede. Mit dem Verschenken farbiger Eier wollte man Ehre erweisen und Freude ausdrücken. Ostereier wurden früher mit Kaffeesatz oder einem Sud aus Zwiebelschalen, Veilchen, Seidelbast oder Efeublättern gefärbt. Am meisten begehrt waren rote Ostereier, ihnen schrieb man eine besondere Schutz- und Lebenskraft zu. Die rote Farbe steht auch in Beziehung zum auferstandenen Christus, zu dem die rote Siegesfahne gehört. Der Osterhase zog erst vor etwa 100 Jahren in die Eifeldörfer ein. Dieser Gedanke entsprang einzig der Kommerzialisierung des Festes, vor allem durch Bilderbücher. Verbunden mit einem Osterspaziergang waren zumeist Eierspiele im Freien. Dazu gehörten Eierticksen, Eierschattern, Eierdippen und Eierkippen. Ausnahmslos ging es bei diesen Spielen um Geschichlichkeit und Geselligkeit - nach einem oft harten Winter in den warmen Stuben. Das berühmteste Osterspiel ist die Eierlage, im Ursprung am besten erhalten in Schönecken. Veranstalter dieses Wettspiels ist die Junggesellensodalität. Der Raffer hat 104 Eier, die in einer Reihe ausgelegt sind, einzeln aufzuheben und in einen Korb zu tragen. Der Läufer hingegen muss den Weg ins benachbarte Seiwerath meistern, früher war es Niederhersdorf. Ein Osterspiel, das bis heute Tausende in den Burgflecken lockt.
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Schönecker Eierlage
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Der wohl älteste europäische “Eierlauf”, der auch heute noch nach Jahrhunderte alten Regeln durchgeführt wird, ist die Schönecker Eierlage. Am Ostermontag ist es wieder so weit. Um 14 Uhr werden die beiden Wettkämfer – Läufer Christian Jakobs (27) und Raffer Roman Schütz (33) – unter Begleitung des Musikverein Schönecken durch den festlich geschmückten Flecken zum Wettkampfplatz gebracht. Vor vielen hundert Zuschauern startet dann nach Handschlag und Austausch des Bruderkusses der Wettkampf. Raffer Roman Schütz wird die 104 im Abstand einer Elle, das sind 62,5 cm, ausgelegten Eier einzeln aufsammeln und in einen Korb legen. Sein längster Weg beträgt rund 65 Meter. Insgesamt legt er 6,9 Kilometer zurück. Läufer Christian Jakobs wird sich auf den Weg ins benachbarte Seiwerath machen. Hin und zurück hat er rund 7,6 Kilometer zurückzulegen und muß dabei einen Höhenunterschied von 122 Metern bewältigen. In Seiwerath wird ihm seine Anwesenheit mit einer kurzen Notiz bestätigt. Dann läuft er zurück in Richtung Schönecken. Wichtige Wettkampfstationen werden durch Böllerschüsse bekannt gegeben. Wenn der Kampf entschieden ist, findet die feierliche Siegerehrung und die Ehrung der Jubilare, die vor 25 und 50 Jahren den Kampf bestritten haben, statt. Vor 25 Jahren waren es Artur Neuerburg und Hermann Koch. Artur Neuerburg gewann damals als Läufer den Wettkampf. Die goldenen Jubilare sind Peter Neuerburg und Karl Hermes. Karl Hermes gewann bei verregnetem Wetter als Raffer den Wettkampf. Foto: Peter Neuerburg
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Eierspiele
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Ostern als der Auftakt in die wärmere Jahreszeit war seit jeher ein Tag des gemeinsamen Ganges und Spielens im Freien. Dabei vergnügten sich die Kinder mit dem Ostereierspielen. Dies geschah in verschiedenen Formen und es war ortsverschieden: Allgemein verbreitet war das Eierdippen, auch Eierkippen genannt. Beliebt war auch das Eierschippeln, also beispielsweise das Hinabrollen der Eier von einem Berg oder das Eierwerfen. So haben sich in unserer Gegend drei Spiele herausgebildet, die sich im besonderen um das Osterei drehen: das Eierpicken, das Eierschattern und der Eierlauf. Wurden diese Eierspiele vormals von den Erwachsenen traditionell durchgeführt, so ging dieser Brauch bald an die Kinder über. Das Eierpicken oder Eiertacken ist eine Kraftprobe um das stärkere Ei. Das hartgekochte Ei wird zum Tacken in der Hand gehalten und zunächst vom Gegner mit der spitzen Front angetickt. Es folgen das stumpfe Ende und schließlich die Längsseiten. "Im Ernst" gespielt geht das zerbrochene Ei in den Besitz des Gegenspielers über, "im Spaß" gibt es nur einen "moralischen" Sieger. Dieses Eierpicken pflegte man beim Frühstück am Ostermorgen nach der Auferstehungsfeier, wobei alle Familienmitglieder mitmachten. Heute gänzlich unbekannt, aber bis zu Beginn dieses Jahrhunderts äußerst beliebt war das 'Eierschattern''. 'Schattern" ist in der Trierer Mundart die Bezeichnung für langsames Gehen mit einer Hin- und Herbewegung. Bei diesem Spiel wurde ein mehrere Meter langes Rindenstück einer Tanne auf den Abhang einer dorfnahen Wiese gelegt. Jeder Spieler ließ nun sein mitgebrachtes Ei auf dieser Bahn hinabrollen. Ein angeschlagenes Ei geht an den Spieler, der es mit seinem Ei getroffen hat, der Spieler des getroffenen Eies scheidet für das laufende Spiel aus. Beim Schattern rollen die Eier so lange, bis schließlich noch ein unbeschadetes Ei übrig ist. Der Besiegte fordert "Revanche", es gibt Einzel- und Mannschaftswettbewerbe und dazu viel Gaudi.
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Die Kirmes war der Höhepunkt dörflicher Feier
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Spielen, Essen und Trinken standen im Mittelpunkt
An diesem Wochenende wird der Reigen der Kirmessen im Prümer Land in der Pfarrei Pronsfeld er- öffnet, am 13.November beschließt ihn Weinsheim. Die größte Kirmes wird am 7.8. in Prüm gefeiert.
Die volksgängige Bezeichnung “Kirmes" hat zwei ethymologische Wurzeln; zum einen kann man sie als eine Kurzform von “Kirchweihmesse" vermuten oder von “kirmesz" ableiten, das als “Geschenk" zu definieren ist. Sicher ist die Kirmes zunächst ein Gedenkfest an die Weihe der Kirche durch den Bischof und oft auch für den Festtag des Kirchenpatrons. Bei der Feier der Kirchweihe und des Kirchenpatrons gewann zumeist ein Fest die Oberhand und ließ das zweite verschwinden. Zumeist blieb das Patronatfest übrig. Mittlerweile geht die Bestrebung dahin, auch diese oft ungewünschten Termine zu verschieben und in freundliche Sommermonate zu verlegen. So erging es beispielsweise einigen Martinskirmessen. Kleinere Patrozinienfeiern wurden in der Westeifel “Döppenkirmes" genannt, bezeichnend, weil der Feierschwerpunkt in Essen und Trinken lag. Die “Döppenkirmes" erscheint bereits im Jahre 1645 im luxemburgischen Springkingen. Auf der Mainzer Synode vom Jahre 813 wird das Kirchweihfest unter den gebotenen kirchlichen Feiertagen aufgezählt. Mit der Feiertagsordnung des Trierer Erzbischofs Balduin (1323) wurde die Kirmes als örtlicher Festtag mit Arbeitsruhe und Verpflichtung zur Teilnahme am Gottesdienst begangen. Viele Menschen strömten anläßlich dieses Festes in die Dörfer: Verwandte, Bekannte, oftmals fromme Pilgergruppen und heischende Bettlerscharen, Krämer und Kauflustige gaben dem Kirmesgeschehen sein Gepräge. Der Vormittag war durch die kirchliche Feier gekennzeichnet, aber unmittelbar danach begann das lärmende Kirmestreiben, das neben Geselligkeit und Musik häufig auch Streit und andere Exzesse mit sich brachte. Doch zunächst zum kirchlichen Teil des Festtages. Die Pfarrkirche mit dem Kirchhof war seit jeher der räumliche und soziale Mittelpunkt der Dörfer. Auf dem Gang zum Kirmesgottesdienst am Sonntagmorgen begegnete man sich zuerst an den Familiengräbern. Die “benedictio populi" vor dem Hochamt galt nicht nur den Lebenden in der Kirche, sondern auch den Verstorbenen im Bereich des Friedhofes. Nach der Predigt verlas der Priester die Namen der jüngst verstorbenen Pfarrmitglieder mit der Bitte um ein Gedenken im Gebet. Die ursprüngliche Dauer von acht Tagen als hohes kirchliches Fest mit Oktav war früher üblich. Für den Pfarrer begann die Kirmes schon am Vortag mit der Kirmesvesper, zu der Küster und Kirchenrechner erscheinen mußten. Der Pfarrer erhielt für diesen Dienst eine Vespergebühr in Form von Kirmesfladen und Vesperwein. Das Sonntagshochamt wurde in Konzelebration mit mehreren Geistlichen gehalten. Oftmals wurde es mit einer feierlichen Sakramentsprozession eingeleitet und an einem Freialtar der Segen gespendet. Böllerschüsse zur Prozession, volkstümlich “Katzekääp" genannt, waren ein bestimmendes Brauchrequisit der Westeifeler Kirmes. Auch während des Hochamtes gab es diese Lärmstöße. Vielerorts halfen “spielleuthen" bei der musikalischen Gestaltung des Hochamtes. Der Morgen war ursprünglich der Jugend vorbehalten. Es gab eine Jugend- und Junggesellenmesse mit Opfergang, den der älteste Junggeselle anführte. Häufig entstanden aus dieser Zeremonie Vereine der Junggesellen, so etwa in Schönecken. Mehr und mehr trat an die Stelle der Jugendmesse ein Gottesdienst für die Verstorbenen der Pfarrei mit Gang zum Friedhof. Da nicht selten der Kirchenpatron ein Helferheiliger war, gab es an dessen Ehrentag einen Bittgang. Dazu gehörte eine Opfer- und Weihegabe, die nach dem Hochamt öffentlich versteigert wurde. Der Erlös floß der Kirchenkasse zu. Vielfach waren es Getreidespenden zum Unterhalt der Kirchen. Selbst nach dem 2. Weltkrieg gab es noch solche Spenden, wie Dr. Kyll aus eigener Anschauung wußte. Die weltliche Feier der Kirmes gilt als “Hochfest" im Leben des Dorfes. Da es an diesem Tag schon im 15. Jahrhundert zu Friedensbrüchen kam, gab es bereits um diese Zeit Weistümer mit zahlreichen Bestimmungen zur personalen Sicherheit. In diesen Verordnungen ging es ferner um das Eichrecht für Maß und Gewichte, um das Markt- und Standrecht, das Schank- und Zapfrecht,waffnete Gerichtsboten wurden zur Wahrung des Friedens in die Kirmesdörfer beordert. Zur Kirmes gehörte ein kleiner und ein großer Markt. Es gab Warenstände ebenso wie Spielbuden und Getränkestände. Auch in kleinen Weilern gab es offizielle Märkte zur Kirmes, die weit über die eigentliche Bedeutung des Ortes hinausgingen. Häufig waren dies Vieh- und Krammärkte wie beispielsweise in Fleringen am Lukastag, in Preischeid am Albinstag, in Dahnen am Hubertustag oder in Dasburg am Fest Mariä Geburt. Der Grundherr hatte den Platz zu stellen, auf dem die Buden aufgeschlagen wurden. Er zog dafür die Standgelder ein. Damit die Marktgerechtigkeit gewahrt blieb, mußten mit Beginn der Kirmesfreiheit bei dem Grundherrn die einheitlichen Maße und Gewichte geliehen werden, wie aus Prüm bezeugt wird (1517). Das “bann- und weinrecht" steht dem Grundherrn zu, der es an Wirte weitergibt. Zuvor prüft er den Wein nach einheimischem Brauch mit Weißbrot und Käse. An den Getränkeständen wurde “wein, gebranten wein, bierentrank oder bier" feilgehalten, Getränke, die allesamt verzapft wurden. Den Tanz gibt es seit Reginos Zeiten in unserem Kulturraum. Vom Erlaubnisrecht zum öffentlichen Tanz hört man in einer Quelle des Jahres 1664, in dem der Pfarrer die Erlaubnis zum Kirmestanz erteilt. Nicht sicher ist, ob es sich um Tänze auf kircheneigenem Boden handelt. In Birresborn wurde erzählt von einem Kirmestanz, der auf dem Kirchhof stattfand. In Bleialf erzählte man noch im Jahre 1950 von dem Brauch, daß junge Burschen nach Beendigung der Sonntagsvesper mit der Musikkapelle die Mädchen an der Kirche abholten, um mit ihnen zum Tanz zu gehen. (Zum besseren Verständnis muß gesagt werden, daß es sich bei dem besagten Kirchhof nicht nur um eine Begräbnisstätte handelte, sondern teilweise auch um Freiraum, den der Pfarrer für Obst und Gras nutzen konnte.) Andere Tanzstätten zur Kirmes waren Plätze vor Privathäusern, vor Wirtshäusern, in großen Stuben, in Scheunentennen, sogar vor dem Gerichtskreuz wie in Niederkerschen/Lux. Das Tanzvergnügen dauerte zumeist vom späten Nachmittag bis gegen Sonnenuntergang. Tanzen war sogar zeitweise verboten (erzbischöfliche Statuten des Jahres 1678), und es wurde den Beamten empfohlen, “die Musikinstrumente zu zerschlagen". Später wurde es Sitte, daß ein Gastwirt die Tanzveranstaltung übernahm. In der Halbzeit eines jeden Doppeltanzes wurde der männliche Tanzpartner aufgefordert, einen Tanzgroschen zu spenden, denn die Spielleute mußten ihrerseits ein “Spielgeld" an den Grundherrn bezahlen Zumeist wurde auf einer Geige gespielt, in der Not auch auf einem mit Papier umwickelten Kamm. Für die Männer, alt und jung, gab es zur Kirmes viel Kurzweil in Form mannigfacher Spiele. Oft ging es dabei um Geld und viel Wagemut. Trumpf war das Kartenspiel, das in den Dörfern mit großer Leidenschaft gespielt wurde. Zur Kirmes wurden solche Spiele öffentlich durchgeführt. Allerdings mußte für öffentliche Kartenspiele die Erlaubnis des Grundherrn eingeholt und ihm eine Abgabe gezahlt werden. Am 15. März 1768 wurde das Glücksspielen mit Karten und Würfeln per bischöflichem Erlaß verboten. Als damalige Spiele werden genannt: Pas-dix, Cinq ou neuf, Quindeci, Pharo, Tredeci, Landsknecht und Häufeln. “Wagspiele mit Würfeln und Drehbrettern" wurden ebenfalls untersagt. Bei den Drehbrettern ging es nicht nur um die "Lotto-Drehscheibe", sondern um den “Brettkegel", auch “Turnickel" genannt. Dieses Spiel war das beliebteste Glücksspiel und wurde mit recht hohem Einsatz gespielt. Das volkstümlichste aller Dorfspiele war zur Kirmes das Kegelspiel, das bereits 1310 von Erzbischof Balduin von Trier verboten worden war. Im Jahre 1568 wird von einem “keillenspiel" gesprochen, das in Bettenburg/ Lux. gespielt wurde. Die ortsfeste Kegelbahn war eine einfache unbedachte Sandbahn mit einem Anlaufbrett. Drei Kegel, die in einer Schräge postiert waren, mußten getroffen werden. Auf diesen Kegelbahnen wurde fast jeden Sonntag mit hohen Einsätzen gespielt. Als Geschäftemacher bei solchen Spielen galten weniger die Dorfbewohner, sondern vornehmlich herumziehende, nicht seßhafte Wandervögel. Die Eifeler Küche bot zur Kirmes alles auf, was die Vorratskammer zu bieten hatte. Schon Tage vor der Kirmes wurde vorbereitet, das heißt vor allem gebacken. Hauptsächlich backte man “Toarten" und “Wäck", auch “Fladen" und “Koch" genannt. Die Torten bestanden aus Hefeteig, wurden mit Obstscheiben belegt, meist Birnen. Man nannte diese Art “Birrenfladden" oder “Topert". Über den Belag zog man mit einer vierzinkigen Eßgabel Quadrat- und Rautenmuster. Der “Wäck" war ein Hefeteig aus Weizenmehl, etwas gesüßt und mit Rosinen durchsetzt, den man gerne zu Rundzöpfen flochtete. Seltener gab es Buttercremetorte, die nach dem 2. Weltkrieg groß in Mode kam. Das Obst für den Kuchen dörrte man übrigens in großen strohgeflochtenen Hohlgefäßen auf dem Speicher.
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Der Maibaum entbietet Frühlingsgrüße
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Der Maibaum ist als "maium" oder "maius" bereits in französischen Quellen des 13. Jahrhunderts bezeugt. Jedoch ist hier nicht klar betont, ob es sich bei diesem Brauchtum um einen gemeinsamen Maibaum im heutigen Sinne oder umkleinere Bäume an den Häusern der ledigen Mädchen handelt".
Der Maibaum von heute, entrindet und entastet bis auf eine kleine Krone, mit bunten Papierbändern geschmückt, steht an exponierter Stelle im Ort, zumeist auf dem Kirchplatz oder nahe der Dorfgaststätte. In größeren Gemeinden hat er seinen Standort am Marktplatz. Ihn zu präparieren und aufzustellen war (und ist) Verpflichtung der männlichen Dorfjugend. Die Mädchen sind auch hier (wie beim Burgbrennen oder Klappern) ausgeschlossen. Der Baum wurde früher in der Mainacht im nahen Wald gehauen, entastet und mit mehreren Karren in den Ort gezogen. Es war zumeist eine Birke oder eine Buche, wie eine Quelle von 1781 aus Landscheid, Kreis Wittlich, verrät. In den Himmeroder Klosterrechnungen findet sich ein Zahlungsvermerk: "... wegen dem im Ochsengraben gehauwenen Mai Buch." Tatsächlich mußte die Dorfjugend den im Klosterwald geschlagenen Baum bezahlen, was allerorts unüblich war. Gemeinde oder private Waldbesitzer meldeten gegen dieses überlieferte Burschenrecht nie Einsprüche an. Abfällig gesprochen wurde indes alsbald über den Maibaum als "Streitbaum", weil mit seiner Errichtung und späteren Abräumung ein erheblicher Alkoholkonsum einherging. Eine Verordnung der Trierer Bezirksregierung vom 9. Juli 1830 besagt, daß auf Grund zahlloser Ruhestörungen und Schlägereien das Aufstellen von Maibäumen strikt untersagt sei. Tatsächlich glitt dieses schöne Brauchtum in vergangener Zeit zu einem Mißbrauch ab, wie es auch eine Aufzeichnung aus dem Pfarrarchiv in Kempenich, Kreis Mayen, belegt: hier sei es "beim Setzen des Maibaumes und den Nachwirkungen des Maigelogs zu heftigen Streitereien gekommen". Auch herrschte früher, so der Pronsfelder Historiker und Pastor Dr. Kyll, große Rivalität zwischen den Nachbardörfern um den schönsten Baum, was in der Mainacht zu besonderer Vorsicht und "Wachposten" Anlaß gab. Wesentliches Merkmal des Zierbaumes ist der grüne Wipfel, der "Gruß" und "Ehre" zum Ausdruck bringt. Dagegen gelten wipfellose oder geschädigte Baumkronen als Sinnbild der Schande und der Beleidigung. Die bunten Bänder, die im Frühlingswind durch die Luft flattern, sind Ausdruck der Lebensfreude und der Genugtuung darüber, daß der Sommer bald einziehen wird. Mancherorts hat der Vortag des 1. Mai, der sogenannte "Maiabend", noch eine besondere volksläufige Brauchtumspflege. Vielfach gab es in den Dörfern "Tanz in den Mai", besondere Gottesdienste oder Gesellschaftsabende. Der letzte Apriltag war im Raum Pronsfeld Datum für den Quirinus-Bittgang nach Watzerath. Bis ins Jahr 1955 fand diese Prozession nicht am 1. Mai, sondern am Maiabend statt. In Pronsfeld gibt es bis heute noch eine bemerkenswerte Besonderheit: hier ist der Maibaum zugleich "Kirmesbaum", da man zumeist in der gleichen Zeit das Kirchweihfest feiert. Findet die Kirmes vor dein 1. Mai statt, das ist fast ausnahmslos so, dann wird der "Kirmesbaum", zugleich Maibaum, bereits Tage oder Wochen vor dem 1. Mai aufgerichtet. Die Musik spielt dazu und hernach geht es in frohem Schritt zum Kirmesplatz. Leider gibt es seit altersher die Unsitte, den Baum nachts heimlich umzulegen. Derartige Beispiele kann man in der Tagespresse lesen, wobei es nicht selten zu erheblichen Sachschäden oder Behinderungen des Verkehrs kommt. Falls er unbehelligt geblieben ist, steht der schmucke Baum den ganzen Monat hindurch, bis er am letzten Maiabend von den Jungen entfernt und öffentlich versteigert wurde. Als Bieter erwartete man den Gastwirt, der diese "Ehrensache" gerne erledigte. Der Erlös der Versteigerung wurde von den Burschen anschließend verzehrt. Diese Versteigerung ersetzte zu Beginn der 1930er Jahre den Heischgang am Vorabend des 1. Mai, bei dem die Jugend sich ihre Eier ersang. Joachim Schröder; Foto: Udo Schikora
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Maiandacht, Maialtärchen und Eisheilige
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Reges Brauchtum im Wonnemonat - Schwerpunkt war in der Eifel die Marienverehrung
Maibaumstellen, Marienverehrung, Eisheilige, Wonnemo- nat, Maialtärchen, Weidemonat, Maibowle - was nicht alles verbindet man mit dem "mensis maius". Benannt ist der fünfte Jahresmonat nach dem Gott Maius, dem Beschützer des Wachstums. Die altdeutsche Bezeichnung hieß "Weidemonat", Christen nennen ihn gerne "Marienmonat" und Liebende "Wonnemonat". Der Frühling, das Wachstum und das Ergrünen der Natur sind Ursprung für die Vielfalt der Begriffe. Uralt sind jene Maibräuche, die die mit dem Wachsen, Blühen und Gedeihen in der Natur zusammen- hängen. Selten geworden sind die Maifeuer zur Begrüßung des Frühlings, auch die Mairitte und -umzüge, erhalten hat sich dagegen - und das besonders in der Eifel - der Brauch des Maibaum-Aufrichtens. Der Schmuck des Maibaums, meist an zentraler Stelle und gut sichtbar aufgerichtet, versinnbildlicht Gemeinschaft und Fruchtbarkeit. Auch entbietet er mit seinem grünen, bändergeschmückten Wipfel Gruß und Ehre, ist Ausdruck der Lebensfreude und ein Symbol für den Bürgersinn. Ausgeprägt ist in der Eifel die Verehrung der Gottesmutter. Hiervon zeugen viele Wallfahrtskapellen, Bildstöcke, Votivtafeln, Orts- und Klosterbenennungen. Am bekanntesten sind wohl Maria Laach, Mariawald, Maria Frieden, Maria Martental und "Maria vom klaren Bronnen". In den Häusern war es üblich - selten ist dies noch anzutreffen - so genannte "Maialtärchen" aufzubauen. Eine Muttergottes-Statue bildete die Mitte, umgeben von frischen Blumen aus der Natur. Dazu gehörten Wiesenschaumkraut, Sumpfdotterblumen ("Butterblumen"), Kleeblumen und Gänseblümchen. Dieses Hausaltärchen blieb bis zum 31. Mai stehen und wurde mehrfach mit frischen Blumen ergänzt. Auch entzündete man eine Kerze und verrichtete hier das Abend- und Morgengebet. Erhalten haben sich vielerorts Maiandachten und -prozessionen. Die Bittgänge, örtliche Wallfahrten und Maifeste haben sich hartnäckig gehalten. Die Eisheiligen spielen nur untergeordnet in der Bauern-Meteorologie eine Rolle. Die gestrengen Pankratius, Servatius und Bonifatius sowie die kalte Sophie haben allerdings alljährlich ihre "Auftritte", worüber man sich nur wundern kann. Muttertag hat sich im Jahreskalender fest etabliert, auch Wanderungen und Ausflüge, Maifeten und geselliges Feiern haben Konjunktur. Gut für alle Mädchen und jungen Frauen: Das "Mailehen" mit der "Versteigerung" der holden Weiblichkeit ist passe. Neu aufgekommen ist in den letzten Jahren in der (West-)Eifel der Brauch, vor dem Haus der Angebeteten eine bunt geschmückte Birke anzubringen. In der Nordeifel hat dieser Brauch eine Jahrhunderte alte Tradition.
EXTRA
Als "Erfinder" der Maibowle gilt Wandalbert von Prüm, * um 813, † nach 870. Er war Benediktinermönch, Diakon und Vorsteher der 721 gegründeten Abteischule, die bereits im 9. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt religiösen, geistigen und wissenschaftlichen Lebens errang. Hier entfaltete Wandalbert eine reiche schriftstellerische Tätigkeit. Unter Benutzung einer älteren Vorlage und Hinzufügung von Wunderberichten schrieb er 839 eine Vita des hl. Goar. Auf Bitten des gelehrten Kaisers Lothar I. verfasste er 848 ein Martyrologium für das ganze Jahr in lateinischen Hexametern. Dem Martyrologium fügte er eine Art Kalender für Bauern und Jäger an. Foto: Maialtar in der Kapelle Watzerath
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Drei gestrenge Herren und eine Dame
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Die Eisheiligen im Glauben der Eifeler: Mitte Mai beherrschen sie das Wetter
Kaum ist der Maibaum aufgepflanzt, die ersten Frühlingslieder sind erklungen und die Wiesen ergrünt, treten sie ihr Regiment an: die so genannten "Eisheiligen". In der Eifel sind sie gefürchtet wie kein Patron im Kirchenkalender.
Es ist "Wonnemonat" - die Gärten sind bepflanzt. Schon lugen die ersten Saubohnen aus dem Erdboden und die Geranien blühen auf den Fensterbänken. Die kluge Hausfrau weiß: Jetzt heißt es aufpassen, das Wetter beobachten, die Vorhersagen im Radio hören. Für den 12. Mai ist Pankratius angesagt, ihm folgen dann auf dem Fuß Servatius, Bonifatius und schließlich mit viel Gehabe die "kalte Sophie"
Die Eifeler Bauernweisheit hat diese vier Tage mit einer Fülle von Wettersprüchen und -regeln verknüpft, basierend auf langer Wetterbeobachtung. Aus dem Jahre 1435 kommt die erste schriftliche Erwähnung der "Eisheiligen". "Pankratius und denn noch drie und die Jungfrowe Sante Sophie, danach let sich der Sumer an". Klar also - Nachtfröste sind angesagt, allgemein ein herber Rückschlag für die Natur und nicht selten erfrorene Obstblüten und Gartenfrüchte. Dieses winterliche Intermezzo steht allerdings in keiner Beziehung zum Leben der vier Heiligen. Pankratius wird in ganz Europa verehrt als Patron der Pflanzen und Blüten, Servatius - der Patron der Lichtenborner Pfarrkirche - wird angerufen bei Frostschäden, Rheumatismus und Mäuseplage. Bonifatius, Apostel der Deutschen und Großmissionar, wird in allen Nöten als Patron verehrt. Die heilige Sophie schließlich ist die Patronin gegen späte Fröste und für das Wachstum der Feldfrüchte. Übrigens: Rein statistisch treten die Eisheiligen ihre "Frostarbeit" im Mai jedes zweite Jahr an. Kein Wunder also, dass man in der rauen Eifel nicht nur Ehrfurcht aufbringt, sondern auch ein gerüttelt Maß Furcht. Denn nach alter Bauernweisheit hat der Wonnemonat "den Reif noch hinter den Ohren"..
EXTRA
Wetteregeln
- Selbst des Maien Mitte hat für den Winter noch ein' Hütte.
- Die drei Herren -atius, machen den Gärten noch Verdruss.
- Vor der kalten Sophie werden nie Buschbohnen gesetzt.
- Trockener Mai - Wehgeschrei, feuchter Mai bringt Glück herbei.
Joachim Schröder
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Mit den Füßen beten
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Am Sonntag ist es wieder soweit: In Prüm setzt sich um 13 Uhr nach einer kurzen Andacht die Echternacher Springprozession in Bewegung. An drei Tagen geht es dann in den Zielort Echternach in Luxemburg, wo die Pilger am Dienstag dem großen Missionar Willibrord die Ehre geben.
Die berühmte Echternacher Springprozession, die jährlich am Pfingstdienstag zu Ehren des heiligen Willibrord durch die Straßen der geschichtsträchtigen Ortschaft Echternach zieht, darf ohne weiteres als Kuriosum bezeichnet werden. Bei dieser Prozession, die Tausende von Teilnehmern, aber auch Tausende von Schaulustigen anzieht, springen die Gläubigen von einem Bein auf das andere, indem sie sich langsam vorwärts bewegen - auf eine einfache polkaähnliche Volksweise.
„Springende Pilger“ sind im Abteistädtchen an der Untersauer seit 1497 schriftlich belegt. Sie sind zudem auf einem alten Gemälde von 1604 festgehalten. Gerade zur Pfingstzeit soll das Grab Willibrords stets von zahlreichen Pilgern besucht worden sein. Zur Pfingstzeit mussten nämlich die zur Abtei Echternach gehörenden Pfarreien - aus der näheren und weiteren Umgebung - ihre Gaben dort abliefern. Das geschah im Rahmen einer Prozession mit Kreuz und Fahne. Und das Springen soll im Rahmen dieser sogenannten Bannprozessionen aufgekommen sein. Pilger aus dem deutschen Waxweiler hätten dabei einen „Sprungtanz“ aufgeführt, wie aus einem Text aus dem 16. Jahrhundert hervorgeht.
Eine Zeitlang soll man in Echternach vorwärts und rückwärts gesprungen sein. Das aber ist seit 1945 endgültig vorbei.Heute wird von einem Bein auf das andere gesprungen. Die Melodie, auf die gesprungen wird, mußte man früher auf einfachen Instrumenten spielen können. Die heutige Fassung - in der die Weise des Volksliedes „Adam hatte sieben Söhne“ zu erkennen ist - wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts von einem Trierer Musiker komponiert.
Warum wird gesprungen? Um „mit den Füßen zu beten“? Um Glauben mit dem ganzen Körper auszudrücken? Aus Freude? Um das krankhafte Fallen nachzuahmen, das bei Epilepsie auftritt - eine Krankheit, gegen die Willibrord angerufen wird? Wie jede Prozession ist auch die Springprozession eine bildliche Darstellung des Gottesvolkes, das sich auf dem Weg befindet. Man bleibt nicht beim Gewohnten stehen, sondern man bewegt sich auf ein Ziel hin. Dieses Ziel ist am Pfingstdienstag in Echternach zuerst einmal die päpstliche Basilika, in deren Krypta die sterblichen Überreste des zweiten Patrons Luxemburgs und internationalen Heiligen ruhen.
Die Springprozession nimmt nach einem feierlichen Pontifikalamt in der Basilika und nach der Ansprache des Erzbischofs von Luxemburg ihren Anfang im altehrwürdigen Abteihof. Sie wird von Sängern eröffnet, und die zahlreichen Beter- und Springergruppen ziehen - letztere von Musik begleitet - bis in den frühen Nachmittag durch das Herz des Städtchens. Am Schluss des Prozessionsweges zieht oder springt jede Gruppe am Grab des Friesenapostels vorbei. Joachim Schröder; Foto: Krypta in der Basilika Echternach
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Frohe Jubellieder klingen...
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Brauchtum am Fronleichnamsfest: Fahnen, Blumenteppiche, Maien und Lieder
Wahrlich ein "erhabenes" Fest im gesamten Trierer Land - und weit darüber hinaus: Fronleichnam. Besondere Volksgläubigkeit und ein hohes Maß an Einsatz für die Ausgestaltung des Festtages prägen das Brauchtum rund um die kirchliche Feier und die Prozession.
Arbeitsfreier Feiertag ist Fronleichnam in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, im Saarland sowie in Teilen Sachsens und Thüringens.
Der Mai hält so Manches bereit: Maifeiertag, Maibaum, Bittprozessionen, die ersten Dorfkirmessen, kirchliches und weltliches Brauchgut und eben - das Fronleichnamsfest. Es ist in besonderer Weise ausgestaltet: ein feierliches Hochamt, Orgelklänge, Außenaltäre, Blumenteppiche, Kommunionkinder im schmucken Kleid oder Anzug, Blasmusik und Fahnenschmuck. Und das in jedem Dorf - soweit es noch priesterlich "versorgt" ist. "Frohe Jubellieder klingen" - dieses weithin bekannte Kirchenlied drückt die Festtagsfreude in besonderer Weise aus. Das Brauchtum hatte und hat am Fronleichnamsfest immer seinen besonderen Platz. Besonders in ländlichen Gegenden wie in der Eifel, an der Mosel und im Hunsrück hat sich der Brauch des Blumenschmuckes erhalten, obwohl er vor zwei Jahrzehnten fast ausgestorben schien. Doch Frauengemeinschaften, Pfarrgemeinderäte oder dörfliche Gruppen belebten dieses Praxis wieder neu. Ein bis zwei Wochen vor dem Fest beginnen die Vorbereitungen: Welche Motive für den Blumenteppich wählen wir? Was gibt es noch an Feld- und Gartenblumen? Wer besorgt uns den Altartisch, das Kreuz, die Tischwäsche? Fragen, die alljährlich neu diskutiert werden. Früher waren es besonders die Kinder, die hinaus in die Wiesen liefen und Blumen "rupften". Heute sind es unterschiedliche Gruppen, die sich dazu freiwillig bereitfinden. Gemeinschaft und Geselligkeit spielen dabei durchaus eine Rolle. Etwas zwei bis drei Stunden vor der Prozession beginnen die letzten Vorbereitungen: Aufstellen des Altares, Baumschmuck rund um die "Insel", Kübel mit Schnittblumen aus den Gärten und eben - der Blumenteppich. Er erfordert die Zusammenarbeit aller Akteure, eine gute Abstimmung und wertvolle Handreichungen. Am Ende freuen sich dann alle über das Werk, das auch eifrig mit den Kameras festgehalten wird. Die Prozession kann kommen!
In Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) werden schöne Blumenteppiche an den Außenaltären angebracht. Nachbarschaftliche Gruppen - die Prozession nimmt wechselnde Wege - sorgen für den Altaraufbau, den Schmuck rund um die "Altarinsel" und einen reichen Blumenteppich. Um den Altar herum sind "Maien" gepflanzt, Blumenkübel aufgesetzt und Teppiche verlegt. Die Motive sind meist der Bibel entnommen: Kelch mit Hostie, Segensspruch, Kreuz, Friedenstaube. An Blumen sammeln Frauen, Kinder und teilweise auch Männer Ginsterblüten, Lupinen, Pfingstrosen, Tannenspitzen, Kleeblumen oder Margeriten. "Früher wurde auch Sägemehr gefärbt, wenn es mal an Farben mangelte", weiß Luzia Schröder. Vielfach wurden Schablone benutzt, um die Figuren akribisch verlegen zu können.
HINTERGRUND Das Fronleichnamfest am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, auch Hochfest des Leibes und Blutes Christi, feiert die Kirche als Opfer, Kommunion (Opferspeise) und - wegen der Realpräsenz Christi im Tabernakel - zugleich als Gegenstand der Anbetung. Es ist ein Erinnerungsfest an die Einsetzung des Altarsakramentes, das eigentlich Gründonnerstag gefeiert werden müsste, aber der Passionswoche wegen als zu diesem Termin unangebracht empfunden wurde.Den besonderen Charakter erhielt Fronleichnam durch die Prozession, die schon 1279 durch Köln zog. Gerade die Fronleichnamsprozession versinnbildlicht gelebtes Christentum: Zum Ende des Osterfestkreises symbolisiert sie den christlichen Lebensvollzug, das gläubige "Wallen", das Ziehen durch die Zeit, Christus entgegen. Besondere Brauchhandlungen liegen zugrunde: vier Außenaltäre, festlich geschmückte Häuser, Beflaggung, Blumenteppiche und junge Buchenäste an den Straßenrändern.
Drei Fragen an... Bernhard Kramer, Pastor i.R. aus Sellerich
Worin liegt der Sinn des Fronleichnamsfestes? Kramer: Das Fest erinnert an die Einsetzung des Altarssakramentes. Wegen der Karwoche wurde diese Feier nicht auf Gründonnerstag, sondern auf den ersten Donnerstag nach Pfingsten gelegt.
Wie erklären Sie sich das reichhaltige Brauchtum rund um das Fest? Kramer: Man wollte als Gemeinde die besondere Feierlichkeit und Erhabenheit dieses Festes betonen - mit Schmuck, Fahnen und Liedern.
Woher kommt die Tradition des Blumenverlegens? Kramer: Dieser Brauch ist zu vergleichen mit einem roten Teppich. Die Gläubigen wollen dem Herrn den Weg bereiten. Auch Anklänge an Palmsonntag sind hier zu sehen.
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