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 Prüm - Stadt des Rheinland-Pfalz-Tages 2011 vom 27.- 29. Mai 2011

„Ewiges Gebet“ und Erinnerung an die Explosionskatastrophe 1949

Bas.Juli09_300Heute begeht die katholische Pfarrgemeinde in Erinnerung an die Explosionskatastrophe am 15. Juli 1949 den Tag des „Ewigen Gebetes“.
Der Gedenktag beginnt um 17.00 Uhr in der Basilika St. Salvator mit der Eröffnung und anschließender Anbetung. Zum Abschluss ist um 18.00 Uhr eine Eucharistiefeier.

Hintergrund
Die „Ewige Anbetung“ oder das „Ewige Gebet“ ist eine alte Tradition der
katholischen Kirche.
Grundlage dafür ist der Glaube an die tatsächliche
physische Gegenwart Jesu Christi bei der Eucharistiefeier. Daraus entwickelte sich der Brauch, ein Stück einer Hostie in einem Behältnis zu Hause aufzubewahren, um Christus immer bei sich zu haben.

Ab dem 10. Jahrhundert entstand in Klöstern die Tradition, in einer Kapelle den Leib Christi in Gestalt der Hostie zu verehren. Diese neue Gebetsform breitete sich vor allem durch Franz von Assisi und seinen Orden ab dem 11. Jahrhundert in ganz Europa aus.

Aus der Gebetsform der Anbetung entwickelte sich das ewige Gebet vor dem in der Monstranz ausgesetzten Altarsakrament. Um die Präsenz Christi in der Welt ständig gegenwärtig zu halten und sich immer daran zu erinnern, führte man die Anbetung zu jeder Tages- und Nachtstunde ein. In Deutschland wurde das ewige Gebet vom Trierer Bischof Johann Philipp von Walderdorff (1701–1768) eingeführt.

In der Diözese Trier ist das  „Ewige Gebet“  über das Jahr auf die Kirchengemeinden des Bistums verteilt. Jeder Gemeinde ist ein bestimmter Tag zugeteilt, an dem in einer Kirche das Allerheiligste ausgesetzt wird. Dabei werden die Gläubigen eingeladen, an bestimmten Gebetsstunden teilzunehmen. Ein solcher Tag des Ewigen Gebets wird mit einem feierlichen Hochamt begonnen und endet mit einer feierlichen Andacht am Abend.

Diese Praxis ist weitgehend zum Erliegen gekommen, jedoch wächst unter den jungen Menschen die Form der Anbetung vor „ausgesetztem Allerheiligsten“. 
Foto: Udo Schikora

Das ”Kräuterfest”

Das Fest Mariä Himmelfahrt wurde zuerst am 18. Januar begangen, im Jahre 582 verlegte die Kirche es auf den 15. August. Es ist in der Eifel der "Krautweschdaach", in anderen Gegenden wie Luxemburg "Leffraweschdaach".  An diesem Tag werden die gesammelten Kräuter des Jahres in feierlicher Form in der Kirche gesegnet, um sie für die nächsten zwölf Monate in Haus, Scheune, Stall und Tenne zum Schutz gegen Blitz und andere Gefahren aufzuhängen, wie bereits angedeutet wurde. Die Zahl der in den "Wisch" aufgenommenen Kräuter schwankt von Region zu Region. Mancherorts werden sieben, neun, 33 bis hin zu 97 verschiedene Heilpflanzen, Gemüsesorten, Feldblumen und Kräuter genannt (Warum die Zahl immer ungerade ist, läßt sich nicht ermitteln). In der Westeifel sind es meist 13 bis 19 Arten, von denen folgende genannt werden sollen: Dill, Hartheu, Kornblume, Fruchtähren, Kamille, Liebstöckel, Knoblauch, Möhren, Kümmel, Rainfarn, Storchenschnabel, Tausendguldenkraut, Salbei, Zwiebel, Wermut und Petersilie.
Nach erfolgter Weihe wurde zumeist die Möhre herausgenommen und den Kindern zu essen gegeben. Die Zwiebel versah man mit einem Kreuzschnitt und hängte sie im Viehstall auf, um Krankheiten und Seuchen zu verhindern. Die Fruchtähren wurden ausgekörnt und dem Kornvorrat beigemischt, um das tägliche Brot und die künftige Saat zu '"segnen". Der Krautwisch wurde gewöhnlich auf dem Speicher aufgehängt und der vorjährige im Herd verbrannt.
Früher legte man Teile unter das Haupt eines Verstorbenen, nach dem Begräbnis räucherte man die Leichenstube mit dem Rest des Bündels aus. Bei Krankheit und schwerem Leid wurden geweihte Kräuter auf glühende Kohlen gestreut und das kranke Glied zur Heilung darüber gehalten. Diese Beräucherung wurde auch angewandt beim Vieh, namentlich wenn Kühen das Euter schwoll. Kam in Luxemburg eine neue Kuh in den Stall oder ging das Vieh zum ersten Mal wieder auf die Weide, so wurde ein in Weihwasser getunktes Stückchen Brot oder etwas vom geweihten Krautbüschel dem Futter beigemengt.
Bei nahendem Gewitter warf man bis in die 6oer Jahre in der Westeifel gesegnete Kräuter in das Herdfeuer und betete den Rosenkranz.
In vielen Pfarreien der Eifel gibt es am 15. August Prozessionen zu Ehren der Muttergottes. Besonders bekannt wurde in den letzten Jahren die Schönberger Marienprozession mit einer Messe an der Lourdesgrotte (Belgien). Während vielfach die Anzahl der Gottesdienstangebote wegen Priestermangels zurückgeht, erlebt diese Form der Gottes- und Marienverehrung einen ungeahnten Aufschwung.
Die Gestalt Mariens hat – über die Kräuter hinaus – noch bei weiteren Benennungen in Fauna und Flora Pate gestanden. Nicht nur Pflanzen hat sie ihren Namen gegeben: Marienblümchen, Mariendistel, Mariä Bettstroh ..., auch Tiere stehen mit Maria namentlich in Verbindung: zum Beispiel der Marienkäfer; die Schwalbe, in germanisch-vorchristlichen Zeiten der Göttin Iduna zugeordnet, gilt als Marien- oder Muttergottesvogel. Maria hat auch Naturerscheinungen den Namen gegeben: den Marienfädchen im Altweibersommer, dem Regenbogen, der traditionell als Marias Gewandsaum gilt.

Ein Rückblick: Volkstümliche Heilkunst

Arzt und Apotheke waren früher auf dem Lande eine Seltenheit. Vielfach gab es im Umkreis von 50 Kilometer nicht einen Mediziner, Medikamente kannte man nur spärlich und bezahlen konnte man sie auch nicht. Nur in der größten Not suchte man den Arzt auf, und dies war mit vielen Schwierigkeiten verbunden.
Doch man wusste sich zu helfen. Ein wundersames Wissen um Kräuter, Tees und Wurzeln aus der "Herrgottsapotheke" sowie ein festes abergläubisches Vertrauen zu bestimmten Praktiken breitete sich aus, so daß eine Art "Volksmedizin" entstand. Viele Heilpflanzen, deren Namen und Anwendung man damals besser kannte als heute, wurden verwendet bei Krankheiten an Menschen und Vieh. Trotz vieler Pillen und Tropfen, die die moderne Medizin hervorgebracht hat, haben sich das Wissen und manche Hausrezepte bis heute erhalten und erleben in unseren Tagen sogar eine Renaissance. Die heilkräftigen Wirkungen von Kamille, Badrian, Schafgarbe, Hollunder, Linde, Minze, Brombeer oder Brennessel sind unbestritten.
Bei beginnender Krankheit griff man zunächst nach diesen bewährten Hausmitteln, die in Feld und Wald reichlich zu finden waren. Eine gründliche Schwitzkur, so meinte man, treibt Schnupfen und Erkältung aus, die auch verschwindet, wenn man abends dreimal in die Strümpfe riecht, die man tagsüber getragen hat. Halsweh vergeht, wenn man einen Strumpf mit heißen Pellkartoffeln füllt und so um den Hals legt, daß die Ferse unmittelbar auf den Kehlkopf zu liegen kommt. Die früher recht häufigen Frostbeulen verschwinden, wenn man sie mit dem Brühwasser eines geschlachteten Schweines badet. Um Rheumatismus zu heilen, trägt man ständig in der linken Hosentasche drei reife Kastanien. Bei Gerstenkörnern am Auge ist es nötig, die benachbarten Wimpern auszureißen. Der Schluckauf vergeht, wenn man den Atem anhält und darüber nachdenkt, wo man das letzte Mal einen Schimmel (Pferd) gesehen hat. Nasenbluten hört auf, wenn man stillschweigend zwei Strohhalme kreuzweise übereinanderlegt und das Blut darauf tropfen läßt. Bei Entzündungen hilft ein Aufschlag von frischem Kuhdünger, bei Blutungen werden Spinngewebe auf die Wunde gelegt. Bekannt war auch das Anzapfen von ungesundem Blut durch Blutegel, auch das "Aderlassen" wurde allgemein mit großer Regelmäßigkeit betrieben, besonders in der Frühjahrszeit. Hundefleisch und besonders Hundefett diente Lungenkranken zur Heilung. Bisse heilte man durch das Auflegen von Hundehaaren auf die Wunde.
In noch höherem Ansehen als die Hausmittel standen bei unseren Vorfahren die zahlreichen Zaubermittel und -handlungen, um so Krankheiten auf Pflanzen, Tiere und Menschen zu übertragen. Am Beispiel der Behandlung von Warzen läßt sich dies besonders gut darstellen. Mancherorts ist von diesem "Glaubensgut" noch heute etwas zu spüren. Wer die Warzen eines anderen zählt, bekommt selbst welche. Wenn man einem anderen Warzenblut auf die Hand tupft, so bekommt dieser auch Warzen. Warzen verschwinden, wenn man auf dem Felde ein Strohseil findet und damit die Warzen stillschweigend bestreicht. Auch mit dem Öl, das in der Totenlampe gebrannt hat, kann man Warzen vertreiben. Sie vergehen auch, wenn man in einen Nähfaden soviele Knoten macht, als man Warzen hat und den Faden stillschweigend unter einem Stein vergräbt. Auch der Saft der gelben Schnecken besitzt heilkräftige Wirkung. Beim Erklingen der Totenglocke wäscht man die Warzen am fließenden Wasser ab und spricht dabei: "Es läutet, Warzen ich wasche euch ab". Erfolgreich ist es auch, wenn der mit Warzen Behaftete darauf achtet, ob während der heiligen Wandlung jemand spricht. Ist dies der Fall, so muß er über die Warzen streichen und dabei sprechen: "Was ich sehe ist Sünd, was ich berühre vergehe geschwind". Der unandächtige Schwätzer wird dann die Warzen bekommen.
Ohne Zweifel finden sich in der volkstümlichen Heilkunst Spuren germanischen Geisterglaubens. Unsere Vorfahren glaubten, ihre Krankheiten würden durch kleine Quälgeister hervorgerufen, die im Menschen hausen und durch das "Besprechen" vertrieben werden könnten. Dieses "Besprechen" wird mit dem Bekreuzen, Bestreichen und Umfahren der kranken Stelle verbunden. Diese Praxis war überall verbreitet, auch nach dem Einzug des Christentums hielten sich hartnäckig heidnischer Glaube und Zaubergesinnung. Die dabei gebrauchten Formeln sind entweder kurze Befehle, die das Verschwinden einer Krankheit bewirken sollen, oder sie werden in Form einer kleinen Erzählung gegeben.
Bei Krankheiten an Mensch und Vieh kam häufig der Gesundbeter ins Haus, um durch einen geheimnisvollen Zauber- oder Segensspruch Heilung und Gesundheit zurückzubringen. Die meisten der bekannten Segenssprüche weisen hin auf die Zaubersprüche unserer Vorfahren. So zeigt beispielsweise der Segensspruch, der bei Gliederverrenkung angewandt wurde, große Ähnlichkeit mit einem der Merseburger Zaubersprüche, nur mit dem Unterschied, daß an Stelle der germanischen Gottheiten christliche Heilige getreten sind. Ein Beispiel: "Ritt Sankt Georg sein Pferdchen über Stock und Stein, und verrenkt sich Fuß und Bein, war bald wieder heil".
Deutlich zeigt sich die innige Verbindung zwischen dem christlichen Gottesglauben und heidnischem Volksglauben. Wie der Geisterbeschwörung eine eine kurze Erzählung vorausgeschickt wurde, so begannen die Besprechungsformeln zumeist auch in Form einer Erzählung, die von Krankheitserscheinungen ähnlicher Art berichtet. Der Spruch wurde im Flüsterton gesprochen, dreimal ein Kreuzzeichen über die kranke Stelle gemacht und drei Vaterunser gesprochen. Die Zahlen drei und sieben spielten dabei eine besondere Rolle, sie galten als besonders heilkräftig (Dreifaltigkeit, sieben Schmerzen Mariens usw). Wichtig war vor allem, daß der Erkrankte an die Heilkraft des Zauberspruches glaubte.
Meist waren es ältere Frauen, die die "Besprechungen" vornahmen.

Heute lächeln wir über diese Zauberpraktiken und Riten. Heil- und Schutzmittel sowie Segenssprüche und Besprechungen sind uns fremd. Unseren Vorfahren waren sie jedoch wichtige Hilfen in oft aussichtslosen Lagen.
Joachim Schröder

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