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Prüm - Stadt des Rheinland-Pfalz-Tages 2011 vom 27.- 29. Mai 2011
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Brauchtum von Oktober bis Dezember
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Erntezeit – Dankzeit: Hofsabend, Michelsfeuer, Erntefeste
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Herbstbrauchtum früher und heute: Vieles hat sich verändert, der "Kern" ist derselbe geblieben
Das war schon immer so, nicht nur in der Eifel. Dennoch gibt es einige spezifische Gepflogenheiten und Bräuche. Das Erntedankfest besteht schon seit dem 3. Jahrhundert. Brot- und Früchtesegnungen stehen im Mittelpunkt der kirchlichen Feiern, die traditionell am ersten Sonntag nach "Michelstag" (29. September) stattfinden. Dieses Fest kannte bereits einige "Vor- und Mitläufer". Seit es Ackerbau gibt, brachte man von den Feldfrüchten Opfer dar, das Christentum formte die alten Opferfeste in Dankfeiern um.
Die Grenze zwischen Sommer- und Winterhalbjahr markiert in der Eifel der "Michelstag". Nebenerwerbslandwirt Peter Schröder aus Pronsfeld weiß zu erzählen: "An diesem Tag hörte das Sorgen um die Ernte auf". Jeder Junge weiß bis heute, dass an diesem Tag das "Kühehüten" aufhörte und Weidefreiheit herrschte. Als festlicher Ausklang des Sommers gab es bis ins vorletzte Jahrhundert den so genannten "Hofsabend" mit üppigem Schmaus. Mit dem "Michelsfeuer" verabschiedete man "offiziell" den Sommer, Viehhüter waren die Brauchträger bis ins letzte Jahrhundert. Michelstag war sogar ein Feiertag mit Kirchgang und Arbeitsruhe. Der Remigiustag am 1. Oktober galt früher als Zahltag für Renten und Zinsen. Auch war er als Termin für den Schweineeintrieb beliebt.
Den Erntedanktag kennt die Kirche seit dem 3. Jahrhundert, allerdings gibt es verschiedene Ausprägungen und Riten. In der Eifel wird das Fest kirchlich mit einem Hochamt begangen, in dessen Mitte die Segnung der Brote und Früchte steht. Geweihte Brotschnitten werden bis heute nach dem Gottesdienst an die Gläubigen und Kranken verteilt. Zu den weltlichen Feiern zählen bis heute Erntedankumzüge mit Erntekronen, -kränzen und -wagen. Dazu gibt es vielerorts Musik- und Tanzveranstaltungen. In einigen Eifeldörfern, beispielsweise Rockeskyll, finden farbenprächtige Umzüge mit geschmückten Erntewagen statt. Tanzmusik ist auf dem Rückzug, Oktoberfeste und Konzertveranstaltungen haben Konjunktur.
"Das Ernten des Getreides war früher eine Knochenarbeit", weiß Peter Schröder. Mühsam wurde das Korn geschnitten, die Kasten aufgestellt und später mit dem Vieh- oder Pferdefuhrweg eingebracht. "Die Kinder hatten die Aufgabe, die liegengebliebenen Ähren aufzusammeln", erinnert sich Schröder. Im Spätherbst oder Winter wurde das Getreide gedroschen, bis vor 100 Jahren mit den Dreschflegeln, später mit Maschinen. Doch immerhin stand diese Arbeit nicht unter Zeitdruck. Schröder: "Da hatte man auch mal Zeit zum Kallen und Pausieren". Für die Gartenfrüchte war nun letzte Reifezeit. Rüben, Kohlrabi und Weißkohl wurden geeerntet und konserviert. Die Hausfrau bereitete das Sauerkraut, erntete die letzten Möhren und Rote Bete. In Erwartung des langen Winters war man so gut vorbereitet. Vor allem Erntefeste mit Festessen und Tanz prägen diesen Tag. Meist sind diese Erntefeste durch die Gutsherren entstanden, die alle Mägde und Knechte z. B. mit Erntebier und festlichem Essen bewirteten. Vorausgegangen war die Übergabe der Erntekrone oder des Erntekranzes. In den Erntekranz eingebunden war der Antlasskranz, ein Kranz aus Kräutern und Blumen. Kräuter und Eier dieses Tages galten als besonders heilkräftig. In einigen Gegenden wird aus den letzten Garben eine “Erntepuppe” hergestellt, die als “Opfergabe” auf dem Feld verbleibt. Anderswo wird die Erntepuppe zum Fest mitgenommen, wo sie beim Ehrentanz mitwirkt. Wo die letzten Garben zu einem Erntekranz gewunden und auf den Hof gebracht wurden, war es manchmal auch üblich, diese Getreidebüschel vor Weihnachten einzusammeln. Die Ähren wurden zu einer Garbe zusammengebunden und als Weihnachtsgarbe für die Vögel auf einer Stange - oft vor der Kirche - aufgesteckt. Der Weihnachtsfriede bezog in einer ganzheitlich denkenden Zeit auch die Natur und besonders die Tiere mit ein (Lüttenweihnacht). Moderne “Erntepuppen”, die heute auf den Feldern zu sehen sind, werden aus Strohballen gebildet. Erntedankelemente sind auch in vergleichbaren Festivitäten enthalten: Der Almabtrieb in den Bergen beinhaltet sie ebenso wie manche Heiligenfeste im Spätherbst. Das Fest des hl. Michael (29. Sept.) gehört dazu wie das des hl. Martin (11. Nov.), an dem die Martinsminne (der neue Wein) getrunken und die Martinsgans gebraten wird. Joachim Schröder; Fotos Erntedank Rockeskyll 2008
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Doppelfest Allerheiligen und Allerseelen mit Danken und Gedenken im Mittelpunkt
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Das ausklingende Kirchenjahr gedenkt an Allerheiligen/Allerseelen nicht nur der Verstorbenen, sondern auch dem Sterben der noch Lebenden. Das Kommen des Reiches Gottes, Buße und Weltgericht stehen im Mittelpunkt der liturgischen Betrachtungen der Kirchen. Volkstümliche Bezeichnungen für Allerheiligen sind Godeshilligendach, Allersintentag (Rheinland), Helgona messa, helmisse. Der 1. November markiert den Winterbeginn und ist zugleich Auftakt in die "stille Zeit". Altes Jahresendbrauchtum und die gefeierte Einheit der Lebenden mit den Toten führten zu ausgelassenen Feiern. Das in die USA exportierte und von dort auch nach Deutschland schwappende Halloween-Brauchtum hat mit diesem Anlass nur noch wenig zu tun. Es ist eher eine Mischung von Karneval, Walpurgisnacht und Silvester in Verbindung mit ausgehöhlten Kürbissen - ein Party-Gag oder eine Art Winterkarneval. Der Tag ist tief im Volksbewusstsein verankert, der von einer “Sippenfrömmigkeit” gespeist wird. Am Vortag von Allerseelen, dem Nachmittag an Allerheiligen, werden die Gräber mit Grün und Blumen (Astern und Chrysanthemen) geschmückt und ein “ewiges Licht” aufgestellt. Für das 16. Jahrhundert ist dies für Köln und die Eifel belegt, wo ein Gottesdienst und ein abendliches Gedächtnismahl dazu gehörten. Nach altem christlichen Volksglauben, der auch in evangelischen Gebieten verbreitet war, stiegen die Armen Seelen an Allerseelen aus dem Fegfeuer zur Erde auf und ruhten für kurze Zeit von ihren Qualen aus. Zuwendungen für Arme, Mönche, Nonnen und Patenkinder (z.B. das Seelspitzbrot, ein Gebildebrot, oder Seelenkuchen, Seelenbrote, Seelenzopf, Allerseelenbrötchen), aber auch spirituelle Gaben wie Gebet, Licht und Weihwasser prägten diesen Tag.“Um der armen Seelen willen” heischten die Kinder früher auch mancherorts und erhielten Äpfel, Getreide, Mehl, Schmalz, Geld und vor allem Brot. Es gab Gegenden, wo die Kinder auf den Gräbern kleine Münzen suchten und fanden, die dort hingelegt wurden, damit sich die Kinder von dem Geld “Seelenbirnen” oder Gebäck kaufen konnten. In früheren Jahrhunderten findet man auch abergläubische Bräuche an Allerseelen. Die Gräber wurden mit Weihwasser bespritzt - weniger, um sie zu segnen, als um die Qualen der Seelen in der heißen Hölle zu lindern. Man stellte Speisen auf das Grab (Brot, Wein, Bohnen) und zündete Kerzen an. Das Licht auf den Gräbern wird verschieden gedeutet: Es soll die Seelen anlocken und ihnen den Weg zu dem Ruheplatz des Körpers weisen oder es soll die Seelen wärmen. An anderen Orten ist das Licht eine Schranke zwischen den Lebenden und den Toten oder es vertreibt die bösen Geister. Joachim Schröder
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Legende vom Heiligen Martin
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Am 11. November ist der Namenstag des Heiligen Martin. Verehrt wird der heilige Martin von Tours vor allem wegen einer guten Tat: Er soll, so sagt die Legende, einem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels gegeben haben. Wann genau der Heilige geboren wurde, weiß man nicht. Quellen sprechen mal vom Jahr 315, dann wieder vom Jahr 336. Sicher ist aber, dass er im heute ungarischen Szombathely - damals Sabaraia - als Sohn eines höheren römischen Offiziers geboren wurde.Vor allem ist da die Legende: Der Soldat Martin von Tours reitet hoch zu Ross durch Schnee und Wind zu seinem Quartier . Die Kälte spürt er nicht, da sein roter, warmer Umhang ihn gut bedeckt. Plötzlich sieht er im Schnee einen nur mit Lumpen bekleideten Bettler sitzen, der entsetzlich friert. In seiner Not bittet der arme Mann Martin darum, ihn vor dem Erfrieren zu retten. Daraufhin läßt Martin sein Pferd anhalten, teilt ohne zu zögern mit dem Schwert seinen Mantel und überreicht dem Bettler die Hälfte. Der arme Mann ist überglücklich und möchte dem guten Soldaten danken. Doch Martin erwartet keinen Dank und reitet still mit seinem Mantelteil davon.
Brauchtum Der volksbeliebte Heilige wird in der Eifel gefeiert und verehrt - Viele Sankt-Martins-Kirchen in der Region
Kaum ein Patronatsfest hat sich über viele Jahrhunderte so hartnäckig behauptet wie das des Heiligen Martin. In der gesamten Eifel und im Moselraum feiert man in fast gleicher Weise den Martinstag. Am 11. November ist es soweit: Dann begeht die Liturgie die Martinsfeier, um die sich viele brauchtumsstarke Sitten ranken. In der Eifel verweisen zudem zahlreiche Kirchenpatrozinien, so in Niederlauch oder Lützkampen, auf den Heiligen von Tours der im Trierer Land stets als Viehheiliger genannt wird. So ist überliefert, dass Bauern früher bei Pferdeseuchen ihren Zehnten als Weihegabe an ein Martinskichlein gaben. Den Pferden wurde mit dem Kapellenschlüssel gar ein Heilszeichen eingebrannt. Martinstag war auch beliebt als Termin für den "Hofabend", der mit dem gesamten Gesinde gefeiert wurde: gegessen wurde Gänsebraten. In den Moselgemeinden hieß dieser Abend auch "Mertesgutnach". Auch wurden Jahresfeuer abgebrannt, brennende Körbe und Räder zu Tal gerollt. Auch wurden an Martinitag die Pachtgelder gezahlt, in Klöstern war es ein geläufiger Zinstermin. Martins-Kirmessen waren und sind beliebt - bis heute. Doch über allem steht am Vorabend des Heiligenfestes der Martinszug. Vielerorts beginnt das Feiern mit einer Kinderandacht in den Kirchen, danach formiert sich der Umzug durch die Dörfer. Blasmusik, Gesang, Fackeln und Verlosung gehören wesensnah zu diesem Brauchabend, der auch die Erwachsenen mit einbezieht. Eigens für diesen Anlass werden bis heute Laternen in den Schulen und Familien gebastelt, Kinder üben fleißig ein paar Liedchen ein. "Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind" - so klingt es bis heute durch die Straßen, wenn der "Heilige" zu Ross den Umzug begleitet. Die Häuser sind erleuchtet, Laternen brennen in den Vorgärten und bunte Kerzen schmücken die Hausfenster. Früher wurden vielfach Rüben ausgehöhlt, Mund, Augen und Ohren ausgeschnitten und im Innenraum eine Kerze aufgestellt. Dieses "Troulicht" trug man aufgesetzt auf einem Stab oder Stock. Solche Lichter hatten auch ihren Platz auf dem Weg zum abendlichen Rosenkranz in die Kirche - nicht selten gab es reichlich Unfug bei der Handhabung dieser Lichtquelle, wie Quellen berichten. Doch im Mittelpunkt des Martinstages steht die kindliche Freude, der Gesang, das Martinsfeuer und der "Weck". Zur Belohnung bekommt jede "Fackel" nach dem Umzug und der Lichtfeier seinen Martinsweck mit tönerner Pfeife. Eine Gänseverlosung ist bis heute in vielen Dörfern guter Brauch, auch wenn Pralinen und Schoko-Herzen die Gans mehr und mehr verdrängen. Joachim Schröder aus “Immerwährender Eifeler Bauern- und Hauskalender” Fotos: Udo Schikora: St. Martin in Büdesheim; Joachim Schröder: St. Martinsrelief in Niederlauch
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Volkstrauertag und Totensonntag
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Volkstrauertag
Ins Leben gerufen wurde der Volkstrauertag durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die im 1. Weltkrieg Gefallenen. 1934 bestimmten die nationalsozialistischen Machthaber durch Gesetz den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag und funktionierten ihn zum "Heldengedenktag" um. Der mittlerweile gleichgeschal- tete Volksbund verlor die Zuständigkeit zur Durchführung dieses "Gedenktages" an NSDAP und Wehrmacht. Nach dem 2. Weltkrieg und der Neugründung der Bundesrepublik Deutschland wurde bereits 1949 im Bundestag über einen durch Bundesgesetz zu bestimmenden Nationaltrauertag diskutiert. Dieses Gesetz kam jedoch nicht zustande. In mehreren Aussprachen mit der Arbeitsgemeinschaft der Innenminister der Länder, den Kirchen und dem Volksbund unter Leitung des Bundesinnen- ministeriums wurde den Bundesländern empfohlen, den zweiten Sonntag vor dem Advent einheitlich zum Volkstrauertag zu bestimmen und gesetzlich zu schützen.
Übrigens: Eine einzigartige Gedenkstätte für vermisste und gefallene Soldaten befindet sich in Daleiden. Um die Gräber der gefallenen Soldaten der Ardennenoffensive aus dem Jahre 1944/45 auf Dauer pflegen zu können und so das Andenken zu bewahren, baute das Land Rheinland-Pfalz zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. den Zentralfriedhof in Daleiden. Im Jahre 1959 wurde der Friedhof eingeweiht. In der Mitte der Anlage steht ein offenes Ehrenrund mit einer Pietà aus Basaltstein. Dem Ehrenrund vorgelagert ist eine rechteckige Eingangshalle. Hier stehen die Namen der 3224 gefallenen Soldaten.
Totensonntag – Tag des Gedenkens
Der letzte Sonntag des Kirchenjahres heißt bei den Katholiken "Christkönigstag", bei den Protestanten "Totensonntag". An diesem Sonntag erinnern sich die evangelischen Christen der Verstorbenen - so auch in der Eifel. Hier sind zwar die Katholiken weithin in der Mehrzahl, doch viele evangelische Christen begehen ihren Gedenktag in würdiger Weise so wie ihre Mitbrüder dies an Allerheiligen tun. Totensonntag, Ewigkeitssonntag, Sonntag vom jüngsten Gericht, Christkönigsfest, letzter Sonntag des Kirchenjahres - viele Namen hat es im Laufe der Zeit für diesen Gedenktag gegeben. 1816 ordnete König Friedrich Wilhelm III von Preußen an, den letzten Sonntag im Kirchenjahr als allgemeinen Feiertag zur Erinnerung an die Verstorbenen zu begehen. Damit wurde aus den vielen regionalen Feiertagen in seinem Land ein einheitlicher Feiertag.Die evangelische Landeskirche übernahm diesen Feiertag und er wurde zum Gegenstück des katholischen Feiertags Allerseelen. Der "Totensonntag" wird nicht zufällig am Ende des Kirchenjahres begangen. Er bezeichnet zum einen das Ende, das Unwiederbringliche. Da aber kurz darauf die Adventstage folgen, der von Gott gesetzte Neuanfang, wird auch im Glauben deutlich, dass der Tod nicht das Ende ist. In vielen Gemeinden wird zum Klang der Gebetsglocke der Gemeindemitglieder gedacht, die im Laufe eines Kirchenjahres verstorben sind. Ihre Namen werden während des Gottesdienstes verlesen und sie werden in die Fürbitte eingeschlossen. Das Verklingen des Glockenklangs erinnert uns an unsere eigene Vergänglichkeit. Der "Gedenktag der Entschlafenen" erinnert uns daran, woher wir kommen und wohin wir gehen. Meistens finden in den Friedhofskapellen spezielle Gottesdienste statt, in dem der verstorbenen Familienangehörigen gedacht wird und die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten verkündigt wird. Anschließend werden die zuvor geschmückten Gräber der Angehörigen und Nahestehenden besucht. Joachim Schröder
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"Die Welt leuchtet der Weihnacht entgegen"
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Viele Aktivitäten in der Vorweihnachtszeit: Die Eifel glänzt mit adventlichen Angeboten auf breiter Front. Der Advent steht vor der Tür - und überall regt sich Leben. Weihnachtsbäume, Girlanden, oft üppiger Hausschmuck und allerorts Vorbereitungen auf das Fest: Auch im Prümer Land laufen die Vorbeitungen auf Hochtouren. Doch zuerst mal ein Blick über den eigenen Kirchturm - hinein ins Eifelland.
Die Nordeifel kennt die Printen, jenes leckere Gebäck, das gerade in der Weihnachtszeit zu Ehren kommt. Die Vulkaneifel kredenzt Adventsliköre mit Spezialkräutern und Mixturen, in Prüm erklingen am Vorabend des ersten Advent harmonische Klänge auf dem Hahnplatz - das Turmblasen hat eine lange Tradition. In verschiedenen Klöstern gibt es (Vor-)Weihnachtskonzerte und in vielen Dörfern haben Ausstellungen Konjunktur. Die Krippana in Losheim ist ein Touristenmagnet, in Monschau lockt die "lebende Krippe", Marktorte bieten Nikolaus- und Weihnachtsmärkte.
Weitere Weihnachtsmärkte mit einem hohen Maß an Ausstrahlung finden alljährlich in Monschau und in Kronenburg statt. Das bauliche "Ambiente" und die "Romantik" der beiden Orte sorgen gerade in den beiden Burgflecken für Intimität und Beschaulichlichkeit. In Monschau ergänzen zudem das "Weihnachtshaus" und die Glashütte das attraktive Angebot an hochwertigen Advents- und Weihnachtsartikeln. Besonders groß herausgekommen sind in den letzten Jahrzehnten Basare, die zumeist von Frauengemeinschaften oder kirchlichen Gruppen organisiert werden. Selbst kleinste Dörfer bieten solche "Märktchen", die sich steigender Beliebtheit erfreuen. Eine große Vielfalt kennzeichnet sie, ergänzt wird das Angebot durch musikalische Beiträge, kleine Präsentationen und GaumenfreudenWinterspelt ist ein solcher Ort mit einem besonderen "Basar-Flair". Dort richtete man den Basar bereits am letzten Sonntag aus. Gerlinde Molitor, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, erläuterte Prümnetz, dass 20 Stände im schmucken Bürgerhaus aufgebaut wurden. "Socken, Schneemänner, Kerzen, Tischdecken und weitere Nutz- und Dekorgegenstände werden angeboten", so Gerlinde Molitor. Ferner gab es Suppen, Waffeln und Plätzchen zum Verzehr. "Nach 11 Jahren hat der Pfarrgemeinderat rund 12.000 Euro erwirtschaftet, die in den Erhalt der Pfarrkirche und Pfarrkapellen fließen", so die PGR-Vorsitzende. Auch in zahlreichen anderen Eifeldörfern gehören Basare zur Adventszeit wie der Fichtenkranz mit den roten Kerzen. Ein besonderes Highlight ist der Basar der Grünen Damen im Prümer Krankenhaus, der durch seine kunstvollen Arrangements besticht, aber nicht in jedem Jahr stattfindet. Fleißige Frauen- und Männerhände schaffen hier in wochenlanger Vorarbeit ein "Gesamtkunstwerk", das Erstaunen hervorruft. Der Erlös ist für gute Zwecke bestimmt. Vielfach werden kirchliche Projekte in der Dritten Welt unterstützt oder es wird direkt vor Ort geholfen. Auf dem Eifeler Buchmarkt hat sich Erstaunliches entwickelt. Nicht nur Brauchtum und Romane haben Konjunktur, auch spezielle Weihnachtsliteratur hat sich fest etabliert. Ob Gedichtesammlungen, Erzählungen oder Rezeptbücher - der Literaturmarkt ist gewachsen. Bespielhaft seien genannt "Das Eifeler Weihnachtslesebuch - Und er hat sein helles Licht bei der Nacht", "Der Weihnachtsdrache" (beide Helios-Verlag) oder "Möhren zum Advent" und "Eifel-Weihnacht" (beide Rhein-Mosel-Verlag).
EXTRA Advent (lateinisch adventus) bedeutet Ankunft. Die Adventszeit ist die festlich begangene Zeit der Vorbereitung und Erwartung der Ankunft Christi. Das Licht ist ein Symbol für Hoffnung und die Abwehr des Bösen, und es vertreibt die Dunkelheit. Für die Adventszeit wird ein Kranz aus Tannenzweigen gebunden, auf dem vier Kerzen angebracht werden.
Ursprung der Adventszeit
Erstmals im 5. Jahrhundert wurde im Gebiet um Ravenna (Italien) Advent ansatzweise gefeiert. In Rom wurde erst im 6. Jahrhundert von Papst Gregor dem Großen die Adventsliturgie in ihren Grundzügen festgelegt. Er setzt dabei erstmals die Zahl der Adventsonntage auf vier fest. Die vier Wochen sollen symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten musste. Papst Pius V. schrieb dann endgültig die römische Adventsliturgie für die Kirche nieder. Joachim Schröder
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Barbarasaat und Weizen Alte Überlieferungen rund das Barbarafest
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Es ist Brauch an diesem Tage, nahe der längsten Nacht des Jahres, den Frühling zu beschwören, indem man Kirsch- und andere Blütenzweige abschneidet, die dann um die Weihnachtszeit zu blühen beginnen sollen. Von den Zweigen, die man am 4. Dezember ins Zimmer holt, damit sie zu Weihnachten blühen, heißt es, daß sie uns Zukünftiges prophezeien: Früher, als junge Mädchen in einer guten Partie die beste Zukunft sahen, stellten sie Zweige mit den Namen ihrer Favoriten ins Wasser. Verdorrte ein Zweig, war die Sache klar, bei allen anderen wurde es dann richtig spannend. Apfel- oder Pflaumenzweige in voller Blüte verheißen gute Obsternte, die Haselnuss kann Glück und Reichtum bedeuten: Den Kelten galten Blüten und Früchte als Symbole der Klugheit, und in den Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, suchten Rutengänger mit Haselzweigen nach Gold- und Silberadern. Kastanien, die auch nach rigorosem Schnitt immer wieder austreiben, sollen Christi Auferstehung bedeuten, Quitten die Freuden und Leiden der Zweisamkeit: Die Blüten duften so wundervoll wie die Liebe, doch die Früchte haben trotz ihrer Süße einen bitteren Beigeschmack. Reichen Erntesegen verspricht der Barbaraweizen, den man am 4. Dezember in eine Schale sät, wenn er zu Weihnachten einen dichten sattgrünen Rasen bildet. Mit einem roten Band umwunden, schmückt die frisch aufgegangene Saat dann den Weihnachtstisch. Der Brauch kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Südosten Europas und erinnert an das Adonisgärtchen der Mittelmeerländer zu Ostern. Nach einer anderen Überlieferung gehört diese Tellersaat zum Luzientag am 13. Dezember. Dahinter steckt vermutlich eine Legende aus dem späten Mittelalter: Während der Flucht nach Ägypten lockte ein Bauer die Verfolger der heiligen Familie auf die falsche Fährte. Als diese ihn nämlich fragten, ob er die Flüchtlinge gesehen habe, erwiderte er so wahrheitsgemäß wie listig, dass sie ihm beim Säen seines Kornfelds begegnet seien. Doch inzwischen war ein Wunder geschehen, das Getreide stand prachtvoll im Halm und täuschte den Schergen des Herodes ein paar Monate vor, obwohl nur ein paar Minuten vergangen waren. Und so gaben sie die Verfolgung auf.
Geschichte der Heiligen Barbara Geboren im 4 Jahrhundert, in Nikomedien am Marmarameer, war Barbara die schöne Tochter des reichen Kaufmanns Dioscuros, der sie einem Manne zur Frau versprochen hatte. Aber Barbara war schon lange heimlich dem Christentum beigetreten, dachte nicht an Heirat, sondern wollte ein Leben in Demut und Armut führen, was den Vater zur Raserei brachte. Als er auf eine Geschäftsreise ging, ließ er Barbara, in der Hoffnung, sie möge wieder zu Sinnen kommen, in einen Turm einschließen. Sie aber wandelte die Not in Tugend, ließ ein dreifaltiges Fenster in den Turm brechen, brachte ein Kreuz zum Zeichen ihres Glaubens an und lebte so wie die erste Nonne. Als der Vater zurückkam, war sie gläubiger und fester als je zuvor und er schwur, sie höchstselbst den Folterknechten zu übergeben, was sie aber nicht ängstigte. Also schleifte der Vater sie vor den Richter und alles Drängen, sie möge sich wieder vom Irrglauben des Christentums trennen, half nichts. Und selbst unter der schwersten Folter starb sie nicht, so dass der eigene Vater ihr den Kopf abschlagen musste. Da fuhr ein Blitzstrahl vom Himmel und erschlug den Vater. Joachim Schröder; Foto unten: St. Barbara - Schutzpatronin der Bergleute
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"Himmlische Grüße vom Nikolaus!"
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NIKOLAUS
Ein Fest für die Kinder - das ist bis heute der Nikolaustag. Bis auf den heutigen Tag haben sich eifelweit überlieferte Brauchhandlungen erhalten. Meist beginnen die Aktivitäten an diesem Tag mit einem Wortgottesdienst oder Nikolausspiel in der Kirche, abends erfolgen dann die Hausbesuche des "heiligen Mannes". Einer der beliebtesten Heiligen in der Eifel ist zweifelslos der heilige Nikolaus. Zahlreiche Legenden gibt es über den heiligen Nikolaus und so soll der heilige Nikolaus drei arme Mädchen mit Gold beschenkt haben, die in den Nächten einsam am offenen Fenster sitzen mußten um auf diese Art, reichen Jünglingen angeboten zu werden, da der Vater, früher ein reicher Edelmann, verarmt war. Aber ganz besonders freuen sich die Kinder auf diesen Tag. Vielerorts stellen die Kinder einen Stiefel oder Schuh am Vorabend des Nikolaustags vor die Tür um vom Nikolaus beschenkt zu werden. Die Kinder erhoffen sich dann im Schuh süße Gaben, wie Nüsse, Äpfeln, Lebkuchen, Schokolade usw zu finden. Womöglich kommt ja der Brauch, einen Stiefel vor die Tür zu stellen, von der Legende der beschenkten Mädchen. In der heutigen Zeit kommt der Nikolaus meist persönlich bei den Kindern vorbei. Dies geschieht meist am Abend des 5. Dezember oder am 6 Dezember. Der Nikolaus will dann meist von den Kindern auch wissen ob sie brav geswesen sind und auch fleißig das gemacht haben, was ihnen die Mutter befohlen usw. Der Nikolaus hat auch einen Begleiter, den Krampus auch Knecht Ruprecht genannt, der schon mal mit der Rute droht. Die Kinder, wenn sie nicht ängstlich sind, sagen dann meist kleine Sprüche auf wie zum Beispiel:
Nikolaus, komm in unser Haus, leer deine große Tasche aus, Stell deinen Schimmel untern Tisch, daß er Heu und Hafer frißt. Heu und Hafer frißt er nicht? Zuckerbrezel kriegt er nicht. Joachim Schröder
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Weihnachten unter dem Mistelzweig
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Vielfältiges Brauchtum, Aberglaube und Medizin - Misteln als Weihnachtsschmuck
Weihnachtszeit - Mistelzeit. Über kaum eine Pflanze rankt sich so viel Volksaberglaube und ehrfurchtsvoller Respekt. Alljährlich zur Weihnachtszeit kommt das immergrüne Gewächs neu zu Ehren. Dabei geht es heute weniger um Mut, Gesundheit und Glück - vielmehr ist sie ein begehrtes Dekormaterial. Der Mistelzweig hat das Küssen nicht erfunden, aber er hat es gefördert - zumindest in England. Wer dort mit einem hübschen Mädchen oder einem netten jungen Mann unter dem Zweig mit den weißen Beeren steht, muß freilich die Spielregeln streng beachten: Pflückt man eine Beere - ein Kuss; zwei Beeren - zwei Küsse. Wenn keine Beeren mehr da sind, ist Schluss mit der Küsserei! Die Misteln sind viel interessanter, als man beim ersten Blick durch die rosige Brille der Weihnachtsfreude vermuten würde. Die wilde Pflanze, von der es etwa 1400 Arten gibt, wächst meist hoch oben in den Wipfeln der Bäume. Wo man auch leben mag - in Senegal oder Schweden, in Wales oder Japan -, überall hängen Misteln zwischen Himmel und Erde. Wenn die übrige Natur ihr Winterkleid angelegt oder sich zum Winterschlaf in die Erde verkrochen hat, sind sie eine wahre Augenweide. Unsere Weihnachtsmistel ist ein immergrüner, kugelförmiger Busch von 60 bis 90 Zentimeter Durchmesser mit breiten, lederartigen Blättern. Die perlenartigen Beerchen sind etwa so groß wie Johannisbeeren und meist weiß oder gelblich. Im Nahen Osten sind sie gelb, orange oder rot. Die Misteln werden Anfang Dezember als Weihnachtschmuck gepflückt. Die Weiße Mistel wächst auf Laubbäumen wie Pappeln, Birken, Apfel- und Ahornbäumen. Verbreitet wird die Pflanze ausschließlich durch Vögel. Sie fressen die Beeren und wischen die am Schnabel hängengebliebenen Kerne an der Baumrinde ab oder scheiden sie unverdaut wieder aus. Im Frühjahr wachsen feine Wurzeln aus den Keimen, die sich zu einer klebrigen Haftscheibe verbreitern, aus der ein Fortsatz durch die Baumrinde bis ins Holz dringt. Nach und nach treibt die Pflanze Blätter und beginnt ein außergewöhnlich langes Leben. Wie der Mistelzweig zum Weihnachtsgrün wurde, ist nicht bekannt. Seine Beeren reifen jedoch nur im Dezember, gerade rechtzeitig für die Weihnachtsbräuche. Schon bei den altgermanischen Feiern der Wintersonnenwende spielten Misteln eine Rolle. Und noch heute brennt während der Weihnachtstage in ganz Skandinavien der hölzerne Julblock, dessen angekohlte Reste früher zum Schutz für das Haus aufbewahrt wurden. Das Holz stammt von einem Baum, in dessen Zweigen die Mistel wächst. Das Kussspiel geht nach der Theorie eines Historikers auf die Saturnalien im alten Rom zurück. Andere sehen darin ein Überbleibsel des skandinavischen Glaubens, daß die Pflanze heilig sei; deshalb schlossen Krieger, die unter einer Mistel im Wald zusammenstießen, für den Tag Waffenstillstand. Nach einer anderen Legende soll die Mistel ursprünglich ein Baum des Waldes gewesen sein, der das Holz für das Kreuz Christi geliefert habe. Es heißt, daß der Baum vor Schmach auf seine jetzige Größe zusammengeschrumpft, sonst aber zum Wohltäter verwandelt worden sei, der auf alle Vorübergehenden Güte und Reinheit ausschüttet. Tatsache ist jedenfalls, dass die Mistel sich vorzugsweise auf Apfelbäumen ansiedelt. Der feurige Busch, aus dem Gott zu Moses sprach, gehörte vermutlich zur Mistelfamilie. Diese Art, die im Heiligen Land auf Akazien wächst, hat orangerote Stengel, und ihre Blätter und Früchte sehen wie Flammen aus. Das erkärt vielleicht, "dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde", wie es im Alten Testament heißt - weil es nur das Feuerrot der Mistel war. Lange Zeit wurde die Pflanze wegen ihrer geheimnisvollen Zauberkräfte verehrt. Die alten Griechen betrachteten sie als ein Mittel gegen Gift. Andere Völker glaubten, sie könne Schlösser aufbrechen und vor Feuer und Krankheiten schützen. Männer und Frauen trugen Armbänder, an denen aus Mistelholz geschnitzte Amulette klapperten, und über den Zimmertüren hingen Mistelzweige zum Schutz gegen Hexen und böse Geister. Mut, Gesundheit, Fruchtbarkeit und Glück werden der Mistel zusgesprochen. Auch in der Eifel galt die Mistel als Glücksbringer. Ein Mistelzweig am Jagdhut verhalf mit Sicherheit zu reicher Beute. Die Bauern schmückten jede Kuh, die als erste im neuen Jahr kalbte, mit Mistelzweigen, streuten die Beeren aufs Heu und mischten sie zur Saatzeit unter die Hirse und anderes Getreide. Die Männer trugen ein Mistelzweiglein im Rockaufschlag und schnitzten die Griffe ihrer Taschenmesser aus Mistelholz. Frauen, die vergeblich auf Kindersegen hofften, banden sich einen Zweig um den Hals oder legten ihn unters Kopfkissen. Seit dem Altertum gilt die Mistel als ein Mittel gegen Epilepsie und Schwindelanfälle. Sebastian Kneipp pries ihre Wirkung gegen Fallsucht. Selbst in der modernen Medizin konnte sich die Mistel behaupten. Blätter und Presssaft der Pflanze enthalten einen Stoff, der den Blutdruck senkt. Am beliebtesten ist die Mistel jedoch als Weihnachtsschmuck. Noch immer erfreut man sich an dem Wintergrün, das seit undenklichen Zeiten die Phantasie der Menschen in vielen Teilen der Welt beflügelt hat. Joachim Schröder
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Weihnachtskrippen im Wandel der Zeit
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Die Krippe, in die vor gut zweitausend Jahren Maria ihren Sohn legte, wie es das Neue Testament überliefert, hat zu allen Zeiten die Christen angeregt, das Geschehen von Bethlehem auch plastisch-figürlich zu veranschaulichen. Es war wohl die tiefe Sehnsucht der Gläubigen, auf diese Weise dem Heilsereignis auch räumlich nah zu sein. Urkundlich bezeugt wird die erste Krippendarstellung im 13. Jahrhundert im Salzburger Land. Zunächst hielten die Krippen Einzug in die Kirchen und Klöster, ehe sie im 17. Jahrhundert in die Familien gelangten. Seitdem haben sie ihren festen Platz in der “guten Stube, wie die Eifeler sagen. Krippe und Weihnachtsbaum bilden heute zumeist eine Einheit, um die sich die Familienmitglieder am Heiligabend versammeln.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich traditionelle Personen- oder auch Figurenkrippen, in deren Mittelpunkt das Christuskind, Maria und Josef standen. Als Umgebung dient zumeist ein Stall in derjeweiligen Form und Beschaffenheit der Region. Es konnte aber auch eine Scheune sein, eine Mauernische oder gar eine Felshöhle. Da die kleine Gestalt des Jesuskindes unter allzu viel Beiwerk oft verschwunden wäre, hob man sie gewöhnlich durch helle Kleidung, einen Heiligenschein oder einen Stern hervor. An der Seite der Krippe kniete die Mutter. Diese Demutshaltung Marias wurde seit jeher bei allen volkstümlichen Krippen beibehalten. Als bevorzugtes Gewand diente ihr ein meist blaues Umschlagtuch oder ein Umhängemantel. Die Person des Josef, meist mit grauem Bart dargestellt, steht in gebührendem, respektvollem Abstand mit Wanderstab und Laterne auf der anderen Seite des Kindes. Interessant und sehr vielfältig ist das “Ambiente" der Krippe. Natürlich spielen die tierischen Bewohner des Stalles eine herausragende Rolle. Dies hat sehr viel mit dem Volksglauben zu tun, dass die Tiere (besonders ausgeprägt in der Eifel) als Freunde und Helfer des Menschen auftreten und ihnen als Nahrungsgrundlage dienen. Das Schaf bietet darüber hinaus wärmende Wolle und Milch. In den Tierdarstellungen assoziiert man beim Schaf zudem Attribute wie “liebevoll", “genügsam" und “folgsam". Ochs und Esel gelten ebenso als Helfer, die Eier legenden Hühner symbolhaft als Lebensspender. Im Volksglauben der Eifeler reden die Tiere in der Heiligen Nacht sogar miteinander über die Geburt des Erlösers. Als Dank für die geleistete Arbeit erhalten sie an Weihnachten besondere “Gaben" wie Getreide und Rüben.
Eine zweite wichtige Figurengruppe der Krippe ist die Hirtenschar. Sie, die nach dem Evangelium “eilend herbeikamen, um das Wunder zu schauen", werden häufig als anbetende Gruppe dargestellt. Es handelt sich um Männer in Pelzen und Mänteln mit langen Hirtenstäben und häufig einer Proviantumhängetasche an der Seite, die ehrfurchtsvoll niederknien. Vielfach sind sie die erste Gruppe, die dem Christuskind in Form eines Lammes ihr bescheidenes Geschenk übergeben. Andere Versionen zeigen die Hirten in großem Abstand zum Stall, um, wie der Volksmund sagt, “das Kind nicht zu stören". Die Hunde halten sie pietätvoll im Hintergrund.
Als weitere Krippengruppe kommen, allerdings erst später, die drei Weisen aus dem Morgenland hinzu. Bei ihnen konnte sich die Fantasie der Künstler oder Laienbildner ausleben: Der schwarze König wurde und wird meist in exotischer, farbenprächtiger Kleidung gezeigt; nicht minder kostbar gekleidet sind seine beiden Gefährten. Hinter ihnen reiht sich das ebenso fremdartig anzuschauende Gefolge, voll bepackt mit Geschenken. Als tierische Begleiter treten hier, zumindest in den großen Kirchenkrippen, Kamele und Elefanten hinzu.
Auch das “Beiwerk" der Krippen ist je nach Region verschieden. In der Eitel dienen als “Grundstock" knorrige Waldwurzeln, Moos, Baumrinden, Lavasteine und Holzreste. In diese Landschaft eingebettet findet der Betrachter neben dem Stall ortstypische Elemente wie das Bauernhaus mit Hof, Tenne, Garten und Holzplatz. Auch der Misthaufen gehört dazu, ferner landwirtschaftliche Geräte wie Sense, Gabel, Axt, Egge oder Pflug. Die Eifeler Landschaftskrippe, besonders schön nachgestellt in der Kirche zu Lichtenborn, wird komplettiert durch Eifeler Gewächs aller Art. Neben Trockenblumen sind es vor allem Buchsbaum- und Wacholderzweige, die - wie das jährlich zu erneuernde Moos - der Krippe saftiges Grün vermitteln. Seltener treten bei den Darstellungen Mühlen und Wasserläufe hinzu; und wenn, dann gehört eine Brücke ebenso dazu wie Waldwege, Gebüsch und Höhlen. Joachim Schröder; Fotos: Kirchenkrippe Waxweiler 2009
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Eifeler Silvester-Lexikon
Der Silvestertag geht auf das Jahr 1582 zurück. Durch die Gregorianische Kalenderreform wurde der letzte Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember verlegt. Dies ist zugleich der Todestag des Papstes Silvester, der am 31. Dezember 335 verstarb.
Was wünscht man sich an diesem Tag? Klar – Guten Rutsch! Diese Formel hat mit „rutschen“ nichts zu tun, vielmehr stammt der Begriff aus dem Hebräischen: „Rosh hashana“, im Jüdischen „guden rosh“. Dies bedeutet nichts anderes als „einen guten Anfang, ein gutes neues (Jahr)“. In der Eifel hat man diesen Zuspruch übernommen, mancherorts haben sich aber auch mundartliche Relikte erhalten wie z.B. „Ech wenschen e jelecklich neij Johr“ oder „Kutt juut riewer“.
Der Wunsch „Prost Neujahr“ oder „Prosit Neujahr“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Es möge gelingen“. In diesem Neujahrswunsch spiegelt sich alles wider, was man seinem Mitmenschen gönnt: Friede, Freude und besonders Gesundheit. Eiflerisch heißt das dann: „Prost Neijoahr!“
Früher wurde bei Feiern im Dorfsaal, in den Städten und im familiären Kreis Blei gegossen. Dabei wird Blei über einer Kerze geschmolzen und anschließend in eine Schale mit kaltem Wasser gegossen. Die dabei entstehenden Figuren, Gebilde und Zeichen deutete man im Hinblick auf das neue Jahr – als Heilszeichen oder als unglückliche Verheißung. In der Eifel ist dieses Brauchtum seit Anfang des vorigen Jahrhunderts gänzlich verschwunden.
Vierblättrige Kleeblätter gelten als Sinnbilder der Lebenskraft. Wer ein solches seltene botanische Gebilde findet, gilt als Glückspilz. Fromme Menschen sahen in diesem Kleeblatt auch das heilbringende Kreuz und deuteten es als segensbringendes Zeichen. In der vorchristlichen Zeit wurde bereits das keltische Kreuz als starkes Schutzsymbol begriffen.
Gemeinhin gelten Schornsteinfeger als Glücksbringer, weil diese früher immer als erste am Neujahrsmorgen durch die Gassen und Straßen gingen und zum neuen Jahr gratulierten. Diese auf viel Sympathie stoßende Geste wurde als Heilszeichen gesehen, zumal man annahm, dass der Kaminfeger mit seiner Arbeit nicht nur Ruß und Schmutz aus dem Schornstein entfernte, sondern auch die lauernden, bösen Geister.
Was isst man an Silvester? Je nach Region sind es Fisch, Fleischspieße oder – wie vielfach in der Eifel – Eintöpfe. Linsen und Erbsen sind seit jeher – ob ihrer Fülle in der Natur – Zeichen des Reichtums und Segens. Soll heißen: Wer Hülsenfrüchte an Silvester isst, hat das folgende Jahr immer genügend Kleingeld im Portemonnaie.
Seit Urzeiten wurden mit Lärmgeräten, Peitschenknallen, Trommeln und lautem Geschrei die Dämonen verjagt. Hier liegt der Ursprung für die Feuerwerke unserer Zeit.
Zum Schluss noch der Eifeler Segenswunsch an alle, die noch Plaat“ verstehen: “Ech wenschen, lang ze lewen, jelecklich ze sterwen un d’n Himmel ze erwen!“ Joachim Schröder
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