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Der Hahnplatz
Im Jahre 1822 wurden die Stiftskirche und die Dreifaltigkeitskapelle abgebrochen. So entstanden in dem Abteistädtchen ein neuer Platz und eine neue Durchgangsstraße, die später Hahnplatz und Hahnstraße genannt wurden. Diese beiden Namensbezeichnungen sind aber irreführend, sie haben mit dem Federvieh nichts zu tun. Der Prümer sagt in seiner Mundart "Hoahn", was "Hohn" (nach verhöhnen) bedeutet. Wenn ein Hahn gemeint wäre, hieße dieser "Hannen", der Hahnplatz entsprechend "Op jim Hannen".
Früher stand auf den Plätzen der Stadt mit Gerichtsbarkeit der so genannte Pranger oder Schandpfahl. Hier wurden Missetäter, besonders Frauen mit einem losen Mundwerk, öffentlich "ausgestellt". Sie trugen um den Hals ein Schild, auf dem die Vorbeigehenden lesen konnten, warum der Deliquent hier stehen musste. Jeder Passant hatte das Recht, den so Verurteilten zu verhöhnen und zu verspotten. Der Platz war also ein "Hohnplatz", woraus später "Hahnplatz" wurde. Heute ist dieser Platz die Mitte, ja das "Herz" der Stadt - mit wunderschönem Ambiente vor der Kulisse der mächtigen Basilika und des ehemaligen Abteigebäudes (heute Gymnasium). Blumenbeete, alte Bäume, Brunnen, ein Fahnenrondell und Ruhebänke gehören zum "Hahnplatz-Inventar".
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Der Tiergarten (mundartlich Dierjaarden)
Die Namensbezeichnung kommt nicht von "Tier", sondern von "dürr" und bedeutet somit "dürre Gärten". In Richtung Altenmarkt befand sich der Zehnthof des Liebfrauenstíftes, das 1802 aufgehoben wurde. Dort wurden die Gespanne untergestellt, die den "Zehnten" nach Prüm brachten. Die Tiere erhielten hier ihr "Raufutter", der Fahrer ein "Tafelgedeck". Hinter dem Geschäftshaus Müller befand sich der "Aale Hof", einer der ältesten Teile der Abteistadt. In den 1970er Jahren kam es zum Abriss zahlreicher Häuser an der Tiergarteninsel (kleine Tiergartenstraße). Am unteren Ende des Platzes steht seit 1990 eine bronzene Stele mit Tiermotiven, die darauf verweist, dass die Bürger sich als Selbstversorger auch Tiere wie Ziegen, Kühe, Schweine, Schafe und Federvieh hielten. Geschaffen hat die Stele der Niederkailer Künstler Johann Baptist Lenz.
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Der Altenmarkt (auch Alter Markt, mundartlich Aalemaart)
Der Altenmarkt war Prüms Mittelpunkt in karolingischer Zeit. Schon immer wurden hier Märkte abgehalten. Hier stand auch der Pranger, in preußischer Zeit wurden Rathaus und Pranger dann auf den Hahnplatz verlegt. Die Altstadt bestand überwiegend aus kleineren Häusern von Handwerkern, Händlern, Ackerbauern und Gastwirten. Hier befanden
sich vor allem auchzahlreiche adelige Lehnshäuser der Burgmannsfamilien von Schönecken und anderer adliger Familien, die ebenfalls Hofgüter der Abtei zu Lehen hatten. Überlieferte Namen sind von Prim, von Printhagen, von Wiltberg, von Portzenheim, von Enschringen, von Belderbusch, von Benzrath, Vehlin und May. Der Bannbackofen hatte hier seinen festen Platz. Der Altenmarkt versank im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche. Gerettet wurde von Matthias Mathony das Fußfallkreuz aus dem Jahre 1680, das sich heute am Giebel von Familie Niesen befindet. Zur Erinnerung an die alte Zeit wurde die zerstörte Pumpenanlage durch die Bürgergemeinschaft "Altenmarkt" neu hergerichtet. Die "Aalemaarter" feiern alle zwei Jahre ein Bürgerfest. Auch das Glockenspiel an der Hauswand Niesen ist der Bürgerinitiative zu verdanken, die es im Jahre 1988 neu anbringen ließ.
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Der Johannismarkt
Der Johannismarkt wurde bis zum 19. Jahrhundert "Neuer Markt" genannt. Bis 1802 gab es an dieser Stelle einen bedeutenden Marktplatz. Durch die Säkularisation wurde das Marienstift (Stiftskirche) aufgehoben und abgerissen. Dadurch schuf man Platz für eine neue Straßenführung, die heutige Hahnstraße. Der Johannismarkt verlor seine Bedeutung als Hauptmarktplatz, denn von nun an wurden die Märkte auf dem Hahnplatz abgehalten. Bestehen blieb der Schweine-, Textil- und Gesindemarkt. Letzterer fand bis zum Ersten Weltkrieg am zweiten Weihnachtsfeiertag (Stefanstag) statt. Burschen und Mädchen aus dem Kreisgebiet wurden hier an Bauern und Gutsbesitzer verdingt. Die verdingten Personen mussten am Lichtmesstag (2. Februar) ihre neue Tätigkeit bei dem Dingbauer antreten. Entlang der heutigen Geschäftshäuser (Modehaus Steffen abwärts bis zum ehemaligen "Bäckerkläsjen" oberhalb) standen adelige Lehnshäuser der Burgmannen von Schönecken. Überlieferte Namen sind Drussel, von Boulich, von Hersel, Veling und Alff - alles Personen, die in hohen Beamtenstellungen der Abtei standen. Diese freien Plätze waren Relikte des kirchlichen Asylrechts des Klosters. Der Name "Johannismarkt" entstand zum einen durch die Johannisstatue (Johannes der Evangelist) sowie andererseits durch den am Stadtrand gelegenen Distrikt "Johannisborn", den die Stadt Prüm im Jahre 1878 erwarb. Von hier oben wurde das Wasser von der dort befindlichen Quelle zum Johannismarkt abgeleitet. Im Jahre 1880 wurde am Johannismarkt eine gusseiserne Johannesfigur auf einem hohen Sockel aufgestellt, hinzu kam eine Brunnenanlage. Sie wurde zum Kernstück des Platzes bis zum Zweiten Weltkrieg. Die von den Prümern ins Herz geschlossene Figur verschwand während der Kriegsjahre und tauchte nie wieder auf. So entschloss man sich 1988, eine neue Johannesfigur an gleicher Stelle zu errichten. Der junge Künstler Werner Bitzigeio aus Niederhersdorf hat sie geschaffen.
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